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So viele Jobs stehen auf der Kippe - Papierfabrik nach 150 Jahren insolvent

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So viele Jobs stehen auf der Kippe - Papierfabrik nach 150 Jahren insolvent

Schwäbisch Hall/Halblech – Erst die Energiekrise, dann die schwache Konjunktur: Jetzt kämpft der nächste deutsche Traditionsbetrieb in der Papierindustrie ums Überleben. Die Gruppe Tullau Pappen hat für ihre beiden Produktionsgesellschaften Insolvenz angemeldet.

Das Familienunternehmen aus Baden-Württemberg blickt auf eine fast 150-jährige Geschichte zurück. Gegründet wurde die Haupt-Pappenfabrik bereits 1878. Ihre Wurzeln reichen sogar bis zu einer Wassermühle um 1600 am Fluss Kocher zurück.

Betroffen von der Insolvenz sind die Karl Kurz GmbH & Co. KG in Rosengarten-Tullau bei Schwäbisch Hall sowie die Pappenfabrik Trauchgau GmbH & Co. KG im bayerischen Halblech. Das Unternehmen produziert Vollpappe, Graupappe und Karton für zahlreiche Industriezweige. Die Produkte stecken etwa in Verpackungen, Gesellschaftsspielen oder Puzzles. An den beiden Standorten sind insgesamt rund 100 Mitarbeiter beschäftigt.

Das Amtsgericht Heilbronn hat am 3. September für beide Gesellschaften vorläufige Insolvenzverfahren eingeleitet. Für die Belegschaft gibt es zunächst Entwarnung. „Die Geschäftsbetriebe werden in vollem Umfang fortgeführt“, erklärt der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Tibor Braun von der Stuttgarter Kanzlei IKB. Und: „Für beide Standorte konnte bereits mit wesentlichen Lieferanten, Energieversorgern, Speditionsunternehmen und auch Finanzierern eine grundsätzliche Verständigung über eine geordnete Betriebsfortführung herbeigeführt werden“, sagt der 65‑Jährige.

Auch die Löhne der Beschäftigten sind vorerst gesichert. Die Bundesagentur für Arbeit zahlt Insolvenzgeld bis einschließlich Oktober 2026. Nun sollen Investoren gefunden werden, „mit deren Hilfe die Geschäftsbetriebe an beiden Produktionsstandorten dauerhaft gesichert werden können“, so der Sanierungsexperte. Und die Jobs natürlich.

Als Hauptursachen der Krise gelten die massiv gestiegenen Kosten für Energie, Rohstoffe und Personal. Gleichzeitig leidet die Papier- und Pappenindustrie unter einer schwachen Nachfrage. „Bei gleichbleibenden Kapazitäten ist der Bedarf zurückgegangen. Auch bei Tullau Pappen gibt es Umsatzrückgänge“, sagt der Rechtsanwalt gegenüber BILD. Preiserhöhungen hätten sich nur begrenzt durchsetzen lassen, weil Kunden darauf mit geringeren Bestellmengen reagiert hätten.

Bleibt die Frage, ob das Unternehmen gerettet werden kann. Braun hält sich gegenüber BILD mit Prognosen zurück: „Es ist noch viel zu früh, um darüber eine Aussage zu machen. Aber Tullau Pappen hat namhafte Kunden und ist als Lieferant von besonderen Produkten nicht einfach auszutauschen.“

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