Sechs Monate nach Ausbruch - Was macht der Iran-Krieg?
Washington/Teheran – „Mission accomplished“, Mission erfüllt! Fast genau sechs Monate nach Beginn des Iran-Krieges präsentiert sich Donald Trump (80) auf „Truth Social“ als siegreicher Feldherr. Feind besiegt, Konflikt beendet, so die Botschaft. Tatsächlich kann von Entwarnung kaum die Rede sein. Die Folgen des Krieges könnten weit über die Region hinausreichen und auch andere Konfliktherde anheizen. Die BILD-Analyse.
„Mission accomplished“: Es dürfte kein Zufall sein, dass Trump ausgerechnet die Worte von George W. Bush (80) aufgreift. Der erklärte 2003 den Irak -Krieg für gewonnen und lieferte damit einen der folgenschwersten Irrtümer der jüngeren US -Geschichte. Denn: Die Kämpfe der US-Truppen dauerten anschließend noch Jahre an. Trump zieht deshalb den Vergleich: Bushs Krieg bewertet er als „Mission not accomplished“ (Mission NICHT erfüllt), seinen eigenen dagegen als Erfolgsgeschichte. Doch stimmt das wirklich?
In den ersten Tagen und Wochen des Krieges zeigten die USA und Israel die Stärke ihrer Geheimdienste. Es gelang ihnen, reihenweise Führungsfiguren der iranischen Elite auszuschalten, darunter den damaligen „Obersten Führer“ Ali Chamenei (†). Doch das ursprüngliche Ziel, das Regime zu stürzen, rückte schnell in weite Ferne. Mit ihren Raketen und Drohnen gelangen den Iranern empfindliche Treffer auf US-Militärbasen und Verbündete in der Golf-Region .
Die Folge: Statt „Regime Change“ war plötzlich vor allem von einem möglichen „Deal“ die Rede. Seit April wird verhandelt, mit Pakistan als wichtigstem Vermittler. Doch auch wenn immer wieder davon die Rede ist, dass ein Abkommen „in greifbarer Nähe“ sei, gibt es bislang keinen Durchbruch. Die Iraner reizen Trump zudem mit ihrer Behauptung, es gebe überhaupt keine Verhandlungen. Gekämpft wird auch immer mal wieder, wenngleich der Beschuss schnell wieder eingestellt wird. Größte Hürde bei den Verhandlungen: der Streit um den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus.
Erst blockierten die Mullahs die Meerenge, dann verhängten die USA eine Blockade für iranische Schiffe. Der Status quo: Es fließt wieder mehr Öl , aber noch immer weniger als vor Kriegsbeginn. Als größtes Problem für Trump könnte sich ein Mangel an Abwehrraketen erweisen, den die US-Regierung allerdings bestreitet. Die Nachrichtenagentur AP berichtete zuletzt mit Verweis auf einen Regierungsbeamten und einen Nato-Vertreter, dass sich die US-Bestände „jenseits des kritischen Bereichs“ befänden. Und: Die Produktion gilt als extrem zeitaufwändig. Für einen theoretisch möglichen Konflikt mit China oder Russland wären das keine guten Vorzeichen.
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