Pilze richtig ernten - Sollte man Pilze abschneiden oder herausdrehen?
Ob Champignons aus dem Supermarkt oder selbst gesammelte Speisepilze aus dem Wald: Bei der Ernte stellt sich häufig die Frage, ob man Pilze besser abschneiden oder vorsichtig herausdrehen sollte. Die kurze Antwort lautet: Beides ist möglich. Entscheidend sind Pilzart, Standort und der Zweck der Ernte.
Wann sollten Sie Pilze also herausdrehen? Und wann ist das Abschneiden sinnvoll? Alles dazu lesen Sie hier.
Beim Pilzesammeln gibt es zwei gängige Methoden: Man kann den Fruchtkörper mit einem Messer knapp über dem Boden abschneiden oder ihn vorsichtig aus dem Erdreich herausdrehen. Einen grundsätzlich besseren Weg gibt es nicht.
Für viele Speisepilze ist vorsichtiges Herausdrehen eine gute Wahl. Dabei wird der gesamte Fruchtkörper mitsamt dem unteren Stielbereich aus dem Boden gelöst. Anschließend kann man Erde und Substratreste entfernen.
Das Abschneiden mit einem Messer hat dagegen den Vorteil, dass der Pilz sauber und schnell geerntet werden kann. Gerade bei Pilzen, die in Gruppen wachsen, lässt sich so gezielt ein einzelner Fruchtkörper entnehmen.
Ein verbreiteter Irrglaube lautet, dass man das unterirdische Pilzgeflecht (das sogenannte Myzel) durch Abschneiden schont und durch Herausdrehen beschädigt. So einfach ist es jedoch nicht. Der sichtbare Pilz ist lediglich der Fruchtkörper des Organismus. Das eigentliche Myzel befindet sich überwiegend im Boden oder im jeweiligen Substrat. Ob ein Pilz abgeschnitten oder herausgedreht wird, entscheidet daher nicht allein darüber, ob das Myzel Schaden nimmt.
Wichtiger ist, vorsichtig und ohne unnötige Bodenverletzungen zu ernten. Wer Pilze mit Gewalt herausreißt oder den Waldboden dabei großflächig aufwühlt, kann die Umgebung stärker beeinträchtigen als jemand, der einen einzelnen Fruchtkörper vorsichtig entnimmt.
Beim Abschneiden sollte man nicht tief in den Boden stechen. Ein sauberer Schnitt knapp über dem Untergrund reicht in der Regel aus.
Das Herausdrehen kann sinnvoll sein, wenn der untere Stielbereich wichtige Merkmale für die Bestimmung der Pilzart enthält. Das ist vor allem bei der Pilzkontrolle relevant: Für eine sichere Bestimmung sind Hut, Lamellen oder Röhren wichtig. Auch Form und Beschaffenheit der Stielbasis liefern oft entscheidende Hinweise. Wer den Pilz einfach abschneidet, entfernt möglicherweise genau dieses Merkmal.
Deshalb gilt beim Sammeln unbekannter Pilze: Nicht vorschnell abschneiden, sondern den gesamten Fruchtkörper möglichst unbeschädigt entnehmen. Das erleichtert die Bestimmung.
Entscheidend ist weniger die Frage „Schneiden oder Drehen?“, als die Art und Weise der Ernte. Wer Speisepilze sammelt, sollte den Waldboden möglichst schonen, keine unnötigen Flächen zertrampeln und nur die Pilze mitnehmen, die tatsächlich gebraucht werden. Auch junge oder sehr alte Exemplare müssen nicht unbedingt gesammelt werden.
Außerdem sollte man keine Pilze zerstören, die man nicht ernten möchte.
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