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BRICS-Gruppe: Der Gipfel der ungleichen Giganten

FAZ Politik ·
BRICS-Gruppe: Der Gipfel der ungleichen Giganten

Weniger als 24 Stunden soll Xi Jinping in Neu Delhi bleiben, nachdem er am Samstag mit einem Flugzeug der Air China in der indischen Hauptstadt gelandet ist. Trotzdem ist der erste Indien-Besuch des chinesischen Staats- und Parteichefs seit sieben Jahren das dominante Thema des BRICS-Gipfels an diesem Wochenende. Das Treffen zwischen Xi und Indiens Ministerpräsident Narendra Modi am Rand des Gipfels erscheint schon deshalb als Ereignis, weil es sich um die mächtigen Anführer der beiden bevölkerungsreichsten Länder der Welt handelt. „Zwei Giganten an einem Tisch“, lautete eine der zahlreichen Schlagzeilen, mit denen das indische Fernsehen das Gipfeltreffen angekündigt hatte.

In Indien, das sich selbst als Weltmacht der Zukunft versteht, sieht man sich mit China auf Augenhöhe. Dass der Besuch Xis die Schlagzeilen dominiert, ist auch Ausdruck der herausgehobenen Stellung, die China in der BRICS einnimmt. Zu deren Gründungsmitgliedern gehören auch Brasilien, Russland und Südafrika. Für Indien ist es daher schwer, sein Mantra, wonach sich die Staatengruppe nicht als „antiwestlich“, sondern lediglich als „nichtwestlich“ positionieren sollten, durchzusetzen. Schon vorab hatte Russlands Präsident Wladimir Putin auf dem BRICS-Business-Forum für die antiwestliche Rhetorik gesorgt. Die „alten“ Führungsmächte würden durch „neue Wachstumstreiber“ ersetzt, sagte Putin.

Das Xi-Modi-Treffen bekommt in Indien allerdings auch deswegen so viel Aufmerksamkeit, weil die beiden Länder nach jahrelanger Eiszeit mit der „Normalisierung“ ihrer Beziehungen vorankommen. Der Konflikt entlang ihrer umstrittenen Grenze, der im Jahr 2020 zu tödlichen Auseinandersetzungen geführt hatte, schwelt zwar weiter. Doch in den vergangenen zwei Jahren haben die beiden Länder sich auf Patrouillenverläufe im Himalaja geeinigt, Direktflüge und die Visavergabe wieder aufgenommen sowie einige wenige Handelsschranken gelockert. Sie haben sich zudem geeinigt, eine mögliche Markierung der Grenze zunächst in den weniger strittigen Gebieten vorzubereiten.

Die Annäherung ist wohl auch deshalb möglich geworden, weil US-Präsident Donald Trump Indien in der jüngeren Zeit mehrfach vor den Kopf stieß – unter anderem hatte er vorübergehend Zölle von 50 Prozent Höhe auf indische Waren erhoben. Auf lange Sicht allerdings sehen auch indische Beobachter kaum eine Alternative zu einer engen Zusammenarbeit mit dem Westen. Mit seinem Wunsch, die BRICS nicht in direkter Konfrontation zum Westen positionieren zu wollen, hat Indien innerhalb der Staatengruppe Unterstützer. Neben Brasilien gehören dazu auch einige der Neumitglieder, die in den Jahren 2024 und 2025 dazu gekommen sind.

Die Erweiterung um Ägypten, Iran, Äthiopien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Saudi-Arabien und Indonesien stellt Indien als Gastgeber des diesjährigen Gipfels aber auch vor Probleme: Meinungsverschiedenheiten zwischen Iran, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Saudi-Arabien über den Nahostkrieg erschwerte die Formulierung einer gemeinsamen Abschlusserklärung. Der indischen Presse zufolge soll es am Samstag dann aber doch eine – bislang unveröffentlichte – Einigung gegeben haben.

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