Samstag, 10. Oktober 2026 QuellenÜber uns🌓
🇩🇪 DE ▾
EILMELDUNG
Deutschland

Sprachen als lebendige Phänomene: Was Bazooka und Pyjama mit dem Algorithmus verbindet

n-tv ·
Sprachen als lebendige Phänomene: Was Bazooka und Pyjama mit dem Algorithmus verbindet

Über Sprache und ihre Herkunft machen wir uns im Alltag kaum Gedanken. Dabei haben viele Begriffe weite Strecken zurückgelegt, zum Beispiel aus dem Persischen. Der Iranist Ludwig Paul hat sie zusammengetragen.

Wenn es die Situation hergibt, greifen Politiker gerne auf besonders plakative Metaphern zurück. Als Reaktion auf die Wirtschaftskrise in der Corona-Pandemie kündigte der damalige Bundesfinanzminister Olaf Scholz an, die Wirtschaft mit einer "Bazooka" auszustatten. Damit gemeint waren unbegrenzte Kreditprogramme und Hilfsgelder - nicht kleckern, sondern klotzen! Ob er dabei an das gleichnamige Blechblasinstrument vom Beginn des 20. Jahrhunderts oder die raketengetriebene Panzerabwehrwaffe der US-Armee dachte? Die Algorithmen spielten jedenfalls bald Karikaturen und Memes von Scholz mit großem Geschütz aus. Gemeinsam haben die Bazooka und der Algorithmus, dass sie für ihren Weg in die deutsche Sprache lange Strecken und Jahre zurücklegen mussten.

"Es gibt einige Hauptrouten, die man gut nachvollziehen kann", sagt Ludwig Paul, Professor für Iranistik an der Universität Hamburg und Autor von "Pfeffer, Pfirsich, Paradies - Kleines Lexikon deutscher Wörter persischer Herkunft", im Gespräch mit ntv.de. Iran sei über Jahrhunderte hinweg eine Schnittstelle zwischen verschiedenen Kulturkreisen gewesen. Das Persische habe in vorislamischer Zeit viele Begriffe an das Griechische abgegeben, die sich über Umwege ins Deutsche verbreitet hätten. "Als Iran noch kulturell vorherrschend war, sind die Wörter vor allem über das Arabische in europäische Sprachen eingezogen, manchmal auch über das Türkische, über Südosteuropa oder das Russische."

Verbreitet haben sich Wörter historisch vor allem über Handelsrouten wie die Seidenstraße. "Arabische Händler haben vom 8. bis zum 11. Jahrhundert den Mittelmeerraum dominiert und mit den Gütern auch Wörter nach Südeuropa gebracht: Zitrone, Limone oder Aubergine", sagt Paul, der im vergangenen Jahr bereits das Buch "Iran - Geschichte, Kultur und Gesellschaft" veröffentlichte. Viele Entwicklungen seien naheliegend gewesen, manche beruhten aber auch auf Zufällen: "Man kann nie vorhersagen, ob es ein Wort in eine andere Sprache schafft."

Über verschlungene Wege finden Begriffe mitunter sogar zurück zu ihrem Ursprungsort. "Der 'Pyjama' ist heute ein europäisches Wort, wanderte aber aus dem Iran ins Indische, dann ins Englische und Deutsche", sagt Paul. Der ursprünglich persische Begriff pāǧāme bezeichnete in Indien eine leichte Stoffhose. Die trugen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Angehörige der britischen Kolonialmacht - weil sie so bequem war, wurde sie bald zum Nachtkleid. Als die Briten das Kleidungsstück in ihre Heimat brachten, zog auch das Wort in leicht abgewandelter Form und samt seiner neuen Bedeutung als Schlafanzug mit. "Inzwischen sagen die Iraner auch 'Pyjama', weil es aus dem Französischen wieder im Iran ankam - ein Wort, das sich vor vielen hundert Jahren aus dem Persischen auf den Weg nach Europa gemacht hat."

Vollständigen Artikel bei n-tv lesen ›

5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.n-tv.de — der Inhalt gehört n-tv.

Mehr von n-tv

Alle ansehen ›

Mehr in Deutschland

Alle ansehen ›