Eigener Werkstoff entwickelt - Hier kommt die Flöte aus dem 3D-Drucker
Fulda - Wenn Joachim Kunath (63) morgens um fünf Uhr aufsteht, geht er nicht zuerst ins Büro, sondern zu seinen 3D-Druckern. Auf seiner geheimen Farm, wie er den Ort nennt, stehen mehr als 50 Drucker. Dort erntet der Flötenbauer aus Fulda, was die Maschinen nachts produziert haben: neue Instrumente.
Ende 2024 hatte der Instrumentenbauer eine Idee: die Sigo Flöte. Sie klingt deutlich tiefer als eine klassische Blockflöte und schont damit die Ohren. Noch dazu ist sie leichter und die Form wurde angepasst, damit sie sich besser greifen und spielen lässt. Perfekt also für Kinder, ältere Menschen und alle Musikbegeisterten.
Anders als die hölzerne, klassische Blockflöte wird die Sigo nicht gedrechselt, sondern im 3D-Drucker Schicht für Schicht gedruckt. „Ich denke, da wird man gedacht haben: Der hat einen an der Waffel“, sagt der 63‑Jährige. Seine Idee für das Instrument entstand zusammen mit dem Schweizer Gerry Bollinger.
Wer die schwarze Flöte aus dem Drucker sieht, denkt schnell an Plastik. Tatsächlich steckt in ihr vor allem Natur . Das eigens entwickelte Material „Resona“ besteht aus Holzpartikeln und pflanzlichen Rohstoffen. Was beim Drucken übrig bleibt, landet nicht im Müll, sondern wird recycelt und erneut verarbeitet. Für Kunath gehört Nachhaltigkeit genauso zur Zukunft des Handwerks wie Roboter und 3D-Drucker.
Angefangen hat seine Geschichte ganz klassisch: im Keller des Reihenhauses seiner Eltern. Als der Platz dort nicht mehr reichte, zog die Werkstatt in die Garage um. Sein großer Traum damals: zwei Gartenhütten hinter dem Haus. Eine zum Drechseln, eine zum Stimmen der Instrumente. „Das war meine Vorstellung von einer großen Firma. Inzwischen reichen selbst 750 Quadratmeter Werkstatt kaum noch aus“, sagt er.
14 Mitarbeiter beschäftigt der 63-Jährige mittlerweile. Dazu kommen Roboterarme, Schleifmaschinen und mehr als 50 3D-Drucker. „KI steht für Kunath Instrumentenbau und ist das meistgeklaute Kürzel überhaupt“, sagt er lachend. Doch trotz aller Technik bleibt Handarbeit unverzichtbar. Jede Flöte wird von Menschen kontrolliert, geschliffen, eingeölt und am Ende sogar angespielt. Erst wenn die tiefen Töne sauber klingen, darf das Instrument auf die Reise gehen.
Besonders stolz ist der Flötenbauer darauf, dass seine Instrumente längst nicht mehr nur in Deutschland gespielt werden. Bestellungen kommen aus Australien, Taiwan, England und sogar Grönland. „Aus dem kleinen Fulda geht es rund um die Welt“, sagt Kunath.
Selbst Musiker aus dem Ensemble des Filmkomponisten Hans Zimmer entdeckten seine Flöten in einem Musikgeschäft in den USA. Josh Plotner, langjähriger Bläser bei Hans Zimmer, kaufte eine Sigo Blockflöte ganz normal im Laden, probierte sie aus und war begeistert. Später setzte er das Instrument sogar auf der Bühne ein. Für Kunath eine besondere Auszeichnung: „Da denke ich: Hammer. Wir bauen eine Schulflöte für 139 €, und ein Vollprofi spielt sie auf Tournee.“
Für Kunath ist die schwarze Flöte deshalb längst nicht das Ende der Entwicklung. Schon heute tüftelt der Instrumentenbauer an weiteren Blasinstrumenten aus seinem selbst entwickelten Material „Resona“.
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