Als Ü50 im Job : Wenn Erfahrung im Job plötzlich nicht mehr zählt
Immer wieder kommt es vor, dass ältere Beschäftigte sich im Team übergangen und weniger wertgeschätzt fühlen. Wie Betroffene das klug ansprechen, ohne sich aufs Abstellgleis zu bugsieren.
Spannende Aufgaben gehen an andere, Anerkennung wird leiser und bei neuen Projekten sitzen sie nicht mehr mit am Tisch: Viele Beschäftigte haben in der zweiten Hälfte ihres Berufslebens den Eindruck, dass ihre Expertise und Erfahrung weniger zählt. "Dahinter steckt häufig ein Kommunikationsdefizit", sagt der Organisationspsychologe Prof. Christian Stamov Roßnagel.
Er nennt ein Beispiel: Angenommen, ein älterer Mitarbeiter hat seine Wochenarbeitszeit reduziert, um seinen pflegebedürftigen Vater versorgen zu können. "Das kann für eine Führungskraft Anlass sein, besagten Mitarbeiter etwa bei neuen Projekten quasi automatisch außen vorzulassen, um ihn mit zeitintensiver Einarbeitung nicht zusätzlich zu belasten", so Stamov Roßnagel, der an der privaten Constructor University in Bremen forscht. In diesem Fall käme die gut gemeinte Absicht der Führungskraft beim Mitarbeiter als Mangel an Wertschätzung an.
Teils sind es aber auch hartnäckige Vorurteile, mit denen erfahrene Beschäftigte konfrontiert sind: So wird etwa angenommen, dass sie weniger anpassungsfähig oder technologieaffin seien - mit den entsprechenden Folgen. Wie sprechen Betroffene an, dass sie sich nicht mehr gesehen fühlen? Und das am besten, ohne dass sich die - oftmals jüngere - Führungskraft angegriffen fühlt?
Ein erster Schritt kann ein offenes Gespräch sein. "Dinge, die einem ein schlechtes Gefühl bereiten, sollte man ansprechen, ohne dabei direkte Beschuldigungen zu äußern", sagt Frank Leyhausen, der sich als Coach und Berater auf ältere Berufstätige spezialisiert hat. Anhand konkreter Beispiele könnten Betroffene das eigene Empfinden gut verdeutlichen.
Fühlen sich Arbeitnehmende im Alter ab 50 innerhalb der Firma in einer Außenseiterrolle, sollten sie das ebenfalls klar benennen. "Um nicht verletzlich oder anklagend zu wirken, ist es wichtig, über die eigene Wahrnehmung zu sprechen", sagt Leyhausen. Dies ermögliche ein konstruktives Gespräch und verhindere eine direkte Konfrontation.
Beschäftigte sollten sich bei Gesprächen mit ihrer Führungskraft auch ein konkretes Feedback zur eigenen Leistung über die Teamebene einholen, rät Stamov Roßnagel. Das Gespräch könne etwa so beginnen, dass man sinngemäß sagt "unser Team hat sich verbessert" und dabei die Leistungssteigerungen konkret benennt.
Der nächste Schritt wäre laut Stamov Roßnagel, zu fragen: "Wie siehst du in diesem Rahmen meinen Beitrag und wo kann ich mich gegebenenfalls stärker einbringen?" Diese Vorgehensweise trage dazu bei, die eigene Arbeit sichtbarer zu machen, ohne als selbstdarstellerisch zu gelten.
Wer neue Aufgaben oder etwa eine Weiterbildung anstrebt, sollte im Gespräch mit der Führungskraft die eigenen Vorstellungen klar benennen. "Es muss deutlich werden, dass die gewünschten Veränderungen beiden Seiten nutzen", so Leyhausen.
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