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Aus für Polanski: Ein Mangel an Leistungskultur in Mönchengladbach

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Aus für Polanski: Ein Mangel an Leistungskultur in Mönchengladbach

So wehrlos sich die Spieler von Borussia Mönchengladbach während der zweiten Spielhälfte dem SC Freiburg beugten, so reibungslos ergab sich der Klub am Tag nach dem 0:5 den dunklen Gesetzmäßigkeiten des Bundesligabetriebs. Dem historisch schlechtesten Saisonstart folgten zunächst unwidersprochene Spekulationen über eine bevorstehende Entlassung und kurz darauf der Vollzug.

„Trotz einer guten Vorbereitung und positiver Ansätze ist es der Mannschaft in der Bundesliga nicht gelungen, die gewünschten Ergebnisse zu erzielen“, teilte der Mönchengladbacher Sportchef Rouven Schröder mit. „Die zuletzt gezeigten Leistungen haben zu der Entscheidung geführt, Eugen mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben zu entbinden.“

Entgegen anderslautender Gerüchte handelt es sich nicht um einen Rücktritt; es war der Klub, der nach der Trennung von Gerardo Seoane nach drei Spieltagen der Vorsaison abermals früh zur Tat schritt.

Diese Vorgeschichte verdeutlicht, dass der Trainer allenfalls einen Teil der Verantwortung trägt. Seit Jahren mangelt es in diesem Klub an einer Leistungskultur, die eine Mannschaft in besseren Jahren über sich hinauswachsen lassen kann.

Dieser Geist, mit dem der SC Freiburg beharrlich eine Stufe nach der nächsten erklimmt, mit dem der FC Schalke aufstieg und vor einer Woche ein 0:0 gegen Bayern München erkämpfte, mit dem Heidenheim den Europapokal erreichte und der VfB Stuttgart die Champions League und der in München sowieso vollständig verinnerlicht wurde, ist dauerhaft abwesend am Niederrhein.

In der Saison 2024/2025, die als Fortschritt wahrgenommen wurde, war es der aus Heidenheim verpflichtete Tim Kleindienst, der genau dieses Element zumindest in kleinen Dosen einbrachte, aber der Stürmer war allein. Als er eine Verletzung erlitt, ging es bergab.

Im Vorjahr fehlte Kleindienst fast durchgehend wegen seines maladen Knies, Gladbach spielte eine biedere Durchschnittssaison. Bis heute hängt viel zu viel an dem ehemaligen Nationalspieler, was offenkundig einen Zustand der Überforderung ausgelöst hat.

Nach dem 0:3 in Leipzig warf er seiner Mannschaft vor, „Kindergartenfußball“ zu spielen, bevor er nach dem 3:4 gegen Elversberg sagte: „Wir sollten mal schleunigst unseren Fokus so hochfahren, dass er auch 90 Minuten hält, und keine Ahnung, woran es liegt, weniger Tiktok gucken oder was weiß ich, ist mir eigentlich wurscht, was sie machen.“ Es ist naheliegend, dass solche Sätze den Zusammenhalt beschädigen .

Nach einem klärenden Gespräch unter der Woche sagte Schröder dann, Kleindienst habe eingesehen, „dass er mit einigen seiner Aussagen drüber war“. In Freiburg war der Kapitän dann mit seiner Spielweise „drüber“. Die vollkommen überflüssige Aktion gegen Matthias Ginter, die zur ersten Gelben Karte für den Gladbacher führte, wirkte geradezu infam.

Der Platzverweis in der zweiten Halbzeit nach einem Tritt mit der Sohle auf den Fußrücken von Philipp Lienhart war dann zwar hart, aber vollkommen regelkonform. Anscheinend wollte Kleindienst vorangehen, weil andere im Team nicht die nötige Energie aufbringen.

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