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Schnitzer, Bengio und Co.: Neue Strategie: Wie Europa im KI-Rennen mithalten könnte

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Schnitzer, Bengio und Co.: Neue Strategie: Wie Europa im KI-Rennen mithalten könnte

Europa läuft Gefahr, im Rennen um die Künstliche Intelligenz endgültig abgehängt und so vollständig abhängig von einigen wenigen ausländischen Regierungen und Personen zu werden – wenn Politik und Wirtschaft nicht entschieden gegensteuern. Davor warnen mehrere Ökonomen, KI-Forscher und Politiker in einem neuen Papier unter der Leitung der „Wirtschaftsweisen“ Monika Schnitzer. Zu den Autoren gehören die ehemalige EU-Kommissarin Margrethe Vestager, der Vorsitzende der Münchener Sicherheitskonferenz Wolfgang Ischinger, der Ökonom Clemens Fuest und Yoshua Bengio, der meistzitierte Computerwissenschaftler der Welt. In einem 200-seitigen Strategiepapier erörtern sie, wie Europa seine Position im KI-Rennen bis 2030 stärken könnte. Danach drohe sich das Fenster zum Aufholen zu schließen.

„Europa darf kein Spielplatz für fremde Mächte werden“, sagt die ehemalige EU-Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager. Schon heute spürten EU-Bürger die wirtschaftlichen und sozialen Auswirkungen von Entscheidungen, die anderswo getroffen werden. „KI wird diese Entwicklung beschleunigen“, sagt sie. In der gesamten Europäischen Union nähmen Regierungen KI nicht ernst oder setzten andere Prioritäten. „Wir müssen handeln.“

In ihrer „Transformative AI Strategy“ betonen Vestager und ihre Kollegen, dass Europa Zugang zu fortschrittlichen KI-Modellen brauche, um nicht in der Verteidigung, der Cybersicherheit oder der Wissenschaft abgehängt zu werden. Eine Option dafür seien in der EU entwickelte KI-Modelle. Das sei aber sehr teuer. Deshalb zielt die Strategie vor allem darauf ab, wie der Zugang zu Modellen aus China oder den Vereinigten Staaten langfristig sichergestellt werden kann.

Die Autoren schlagen vor, Europas Trümpfe in der KI-Lieferkette stärker geopolitisch auszuspielen. Dabei verweisen sie etwa auf den niederländischen Chipmaschinenhersteller ASML, ohne den in der Produktion der fortschrittlichsten Halbleiter kaum etwas geht. Aber auch die Lasertechnologie von Trumpf und die Optik von Zeiss seien unter den am wenigsten zu ersetzenden Halbleiterzuliefertechniken der Welt. Deutschland, Frankreich und die Niederlande sollten bis Ende 2026 eine „Allianz für sichere Lieferketten“ ins Leben rufen, um dieses Faustpfand international besser einzusetzen und Garantien für den Zugang zu Top-KI-Modellen zu erwirken.

Bis 2030 solle der europäische Anteil an den globalen KI-Rechenkapazitäten bei 15 Prozent liegen, um Abhängigkeiten zu reduzieren und Training und Betrieb von KI in Europa zu ermöglichen, heißt es darüber hinaus in dem Papier. Aktuell seien es fünf Prozent. Das Bauen neuer Rechenzentren solle einfacher werden.

Für besonders vielversprechend halten die Autoren das Umwandeln alter Industrieflächen in KI-Infrastruktur, weil dort schon die nötigen Netzanschlüsse vorhanden sind – ein zentrales Nadelöhr im Rechenzentrenausbau. In Frankfurt müssen Betreiber beispielsweise bis zu zehn Jahre auf einen Netzanschluss warten. Vor allem alte Industrie- und Kraftwerksflächen in den alten Kohlegegenden im Rheinland und in der Lausitz haben die Autoren der Strategie im Blick.

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