Tausende Jahre alte Kulte: „König Hinz“: Tempel mit Opfergaben aus Bronzezeit entdeckt
Verbrannte Tierknochen, Keramikscherben und eine Bernsteinperle: An einem bronzezeitlichen Königsgrab haben Archäologen Spuren von Ritualen gefunden.
Was wurde dort geopfert – und für wen? Archäologen haben am sogenannten Königsgrab aus der Bronzezeit im Norden Brandenburgs vermutlich einen Tempelbau mit Opfergaben entdeckt. „Wir gehen davon aus, dass das fast quadratische Gebäude für kultische und rituelle Zwecke genutzt wurde“, sagte der Landesarchäologe und Direktor des Landesdenkmalamtes, Franz Schopper.
Der rund elf mal elf Meter große Bau liege in unmittelbarer Nähe des bronzezeitlichen Grabs von „König Hinz“ und auf einem der höchsten Punkte des Geländes in Seddin in der Prignitz.
Er stammt wohl grob aus dem Jahr 850 vor Christus, wie der Landesarchäologie ihn datiert.
Rund um die Grundmauern fanden die Forscherinnen und Forscher Scherben von Keramikgefäßen, verbrannte Tierknochen und feuerrot gefärbten Boden. „Der Tierleichenbrand und die verbrannte Keramik sind wahrscheinlich Reste von Brandopferhandlungen, die man aus der Bronzezeit in ganz Europa kennt.“ Was wurde dort nahe dem Königsgrab geopfert? Und für wen? Vermutlich waren in den großen Keramikgefäßen verschiedene Speisebeigaben für höhere Mächte und Naturgewalten, erklärt Schopper.
Möglicherweise enthielten sie Getreide oder auch vergorene Fruchtweine.
Die Analysen der verbrannten Tierknochen stünden noch aus: Denkbar seien Rinder, aber auch Wölfe sowie kleine Tiere wie Schafe und Ziegen.
In einer Grube sei bei den neuesten Grabungen zudem eine kleine Bernsteinperle gefunden worden - die erste in Seddin.
Auch sie könnte Teil eines Opferrituals gewesen sein.
Sie lege bronzezeitlichen Handel zu den Bernsteinküsten der Ostsee nahe und soll wie alle weiteren Ausgrabungen in diesem Herbst weiter untersucht werden.
Quadratisches „Templum“ ist für die Bronzezeit ungewöhnlich Der Fund sei insgesamt besonders, betont Schopper.
Aber vor allem ein derartiger Bau zur Verehrung aus der Bronzezeit - der Archäologe nennt ihn „Templum“ - sei für dieses Zeitalter herausragend. „Die Form ist äußerst ungewöhnlich und in der ganzen norddeutschen Bronzezeit bisher nicht bekannt.“ Auf dem Gelände, das heute landwirtschaftlich genutzt wird, stand im 9.
Jahrhundert vor Christus vermutlich eine bronzezeitliche Siedlung.
Auf einer Fläche von rund 2.000 Quadratmetern sollen zwischen 200 und 300 Menschen gleichzeitig gelebt haben, vermutlich Zimmerleute, Metallgießer und andere Handwerker sowie Bauern.
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