Eintracht-Torhüter: Die Elfmetertricks des Noah Atubolu
Achtung vor Noah Atubolu! Dem Giganten im Tor, wenn es mit großer Akribie und Standhaftigkeit um das Parieren von Elfmeterschüssen geht. Die Liste der Fehlschützen im Duell mit dem aktuellen Frankfurter Torhüter wird immer länger, nun hat Atubolu schon sechs Strafstöße in Serie gehalten.
Was alle vom Punkt gescheiterten Profis eint: Sie dürfen für sich in Anspruch nehmen, mit einer hohen Trefferquote an und für sich Elfmeterspezialisten zu sein. Das macht die Arbeit von Atubolu auf der Torlinie noch wertvoller. Und den Ärger bei seinen Duellanten umso größer.
Mit Spannung schauen jetzt viele auf diesen Samstag, denn von 15.30 Uhr an erwarten die Frankfurter im Waldstadion die Spitzenmannschaft (drei Spiele, drei Siege) aus Freiburg zum Kräftemessen (im F.A.Z.-Liveticker zur Fußball-Bundesliga und bei Sky/Dazn). Keiner kennt in Reihen der Eintracht den Gegner momentan besser als der 24 Jahre alte Atubolu, der erst seit Ende August das Frankfurter Trikot trägt. Dementsprechend vertraut sind dem Torhüter, den der neue Bundestrainer Jürgen Klopp in sein großes Nationalmannschaftsaufgebot berufen hat , die wichtigsten Elfmeterschützen des SC, zu denen Vincenzo Grifo, Lucas Höler und Matthias Ginter gehören.
Vermutlich einer von ihnen stünde Atubolu gegenüber, erhielten die Freiburger einen Elfmeter zugesprochen. Und dann? Bekäme der nächste Schütze – es wäre ein guter, alter Bekannter von Atubolu – das große Zittern gegen den nervenstarken Torhüter, der in dieser Disziplin von Spiel zu Spiel selbstbewusster wird? Ein weiterer Fehlschuss und ein neuerlicher Elfmeterstreich Atubolus würden noch einmal für eine ganz besondere Note in diesem Nervenspiel sorgen. Insgesamt zwölf Jahre war Atubolu sportlich in Freiburg zu Hause.
Was macht Atubolu also zum Ausnahmekönner im Wettstreit mit seinen Gegenspielern am Elfmeterpunkt? Bedient er sich im Augenblick höchster Anspannung bestimmter Kniffe? Vor dem jeweiligen Aufeinandertreffen mit den Ligakonkurrenten beschäftigt sich Atubolu intensiv mit den Gewohnheiten seiner möglichen Gegenüber, prägt sich zum Beispiel deren Lieblingsecken ein. Damit ist er im Kreis der Spitzentorleute sicher nicht allein, ein Allheilmittel ist das daher bestimmt nicht.
Ist der Moment auf dem Platz gekommen, greift Atubolu in die Psychotrickkiste. So gut es geht, stört er den Schützen mit Spielchen, um ihn abzulenken. Klopft in seine Handschuhe oder springt auf und ab. Stiftet Unruhe. Sucht womöglich auch kurz dessen Nähe und wechselt ein paar Worte mit ihm. Er versuche, „schon viel zu machen. Einfach zu verhindern, dass der Schütze sich den Ball nehmen und einfach schießen kann“, sagt Atubolu und fasst seine Arbeitsweise so zusammen: „Ich will es dem Schützen einfach so schwer wie möglich machen.“ Das gelingt ihm bestens.
Dazu gehört final auch sein auffälliges Auftreten auf der Torlinie. Atubolu fängt gerne an zu lachen. Strahlt dann über beide Backen. Demonstriert dem Gegner damit, dass er in dieser Stresssituation die Souveränität in Person ist. Atubolu tänzelt noch, geht hin und her und breitet seine Arme aus. Der Schütze soll keine ruhige Sekunde haben.
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