Was Netflix damit zu tun hat - Warum Schach bei Gen Z boomt
Paris (Frankreich) – Fußball hat Cristiano Ronaldo (41). Basketball hat LeBron James (41). Und Schach? Schach hat Magnus Carlsen (35). Seit Jahren prägt der Norweger seine Sportart wie kaum ein anderer Spieler zuvor. Weltmeister, Rekordmann, Superstar. Doch ausgerechnet in Zeiten von TikTok, Reels und Sekunden-Aufmerksamkeit erlebt Schach einen neuen Boom bei jungen Menschen. Warum? Im BILD-Interview nennt Carlsen einen überraschenden Grund: Netflix.
Als BILD den Norweger am Rande des Esports World Cup in Paris trifft, ist Carlsen leicht angeschlagen. Die Nase gerötet, die Erkältung unverkennbar. Vom Titel hält ihn das nicht ab: Einen Tag später gewinnt der Schach-Star das Turnier. Für das Event nahmen Fans aus aller Welt teils weite Wege nach Paris auf sich, auffallend viele davon jung. Dabei galt Schach lange als Sport für eine kleine Nische. Was hat sich geändert?
Für Carlsen liegt ein wichtiger Grund auf der Hand. „Ich glaube, ,Das Damengambit‘ hat eine große Rolle gespielt.“ Die Netflix-Serie über das Schach-Wunderkind Beth Harmon löste weltweit einen regelrechten Hype aus. Doch dabei blieb es nicht. Schach fand auch auf Social Media statt. Große Creator griffen das Thema auf, Clips gingen viral. „Dazu kamen viele Schach-Influencer. Schach tauchte plötzlich in den Köpfen vieler Menschen auf“, sagt Carlsen.
Der Boom überrascht. Schließlich lebt die Generation TikTok von kurzen Inhalten und schnellen Reizen. Schach dagegen verlangt Geduld, Konzentration und strategisches Denken. Trotzdem gewinnt das Spiel gerade dort neue Fans, wo viele es am wenigsten erwartet hätten.
Dabei ist Schach alles andere als neu. Die Ursprünge reichen viele Jahrhunderte zurück. Heute sitzt das traditionsreiche Brettspiel aber nicht mehr nur in Vereinsheimen oder Turniersälen. Beim Esports World Cup gehört Schach inzwischen zum Programm und teilt sich die Bühne mit einigen der größten Gaming -Titel der Welt.
Für Carlsen ist die Entwicklung nur folgerichtig. „Schon Mitte der 90er-Jahre wechselten viele Topspieler ins Internet“, erklärt er. Erst auf dem Internet Chess Club, später auf zahlreichen anderen Plattformen. Deshalb überrascht es ihn nicht, dass Schach heute auch auf den größten E-Sport-Bühnen der Welt stattfindet. „Es ist ein Spiel, das perfekt zum Internet passt.“
Zum Schluss widerspricht der Weltstar noch einer weit verbreiteten Vorstellung. Viele Menschen glauben, Schach-Großmeister würden jede Partie Zug für Zug bis ins Detail durchrechnen. Carlsen sieht das anders: „Wir arbeiten vor allem mit Intuition und manchmal mit tieferen Berechnungen. Es ist viel technischer und weniger tiefgründiges Nachdenken, als die meisten Menschen glauben.“
Der beste Schachspieler der Welt sagt also selbst: Nicht immer gewinnt derjenige mit den längsten Gedankengängen. Oft entscheidet das Gefühl für den richtigen Zug. Genau das macht das uralte Spiel vielleicht moderner, als viele denken.
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