„Wollen die mich verarsch….?!“ - Als Wollitz Bittencourt sah, glaubte er an „Versteckte Kamera“!
Als Leonardo Bittencourt (32) 2011 erstmals bei den Profis von Energie Cottbus mittrainierte, war er gerade einmal 17 Jahre alt. Sein Vater Franklin Bittencourt (57), selbst früher Profi bei Energie, hatte Wollitz zuvor gebeten, seinem Sohn eine Chance zu geben. Was der Trainer anschließend auf dem Platz sah, überraschte ihn gewaltig. Im BILD-Podcast „Phrasenmäher“ spricht Wollitz über das erste Training von Leonardo Bittencourt:
„Sein Vater Franklin saß mir gegenüber und sagte: ‚Ey Coach, mein Sohn wird nicht so gefördert, nicht so berücksichtigt, nicht so entwickelt. Und er ist ein richtig guter Kicker.‘ Ist ja klar, sagt der Vater. Er bat mich: ‚Guck dir den bitte einmal an. Sonst geht er nach Hoffenheim.‘ Ich habe gesagt: ‚Okay, ich gucke ihn mir an.‘ Dann war Leo beim Training und ich dachte wirklich: Wollen die mich verarschen oder was? Ist das versteckte Kamera? Keine Ahnung. Der war so gut! Selbst die Mitspieler, die teilweise schon 370 Bundesliga- und Zweitliga-Spiele hatten, haben gesagt: ‚Was ist das?‘ Von diesem Tag an war da diese Liebe, diesen Spieler begleiten zu dürfen. Diese Dankbarkeit, die dieser Mensch in sich getragen hat, Fußballschuhe und ein Trikot anziehen zu dürfen und dann noch für diesen Klub, für den schon sein Vater gespielt hat. Das hast du in jeder Situation gespürt. Das war außergewöhnlich. Und für mich war klar: Der wird ein großer Spieler.“
„Ich habe zu ihm wortwörtlich gesagt: ‚Leo, ich durfte dich so kennenlernen und über Jahre verfolgen. Wenn wir uns getroffen oder mal telefoniert haben, warst du immer dieser bescheidene, bodenständige Typ. Wenn du in der ersten Liga bleibst, okay. Aber bevor du zu einem der anderen 17 Zweitligisten gehst, geh zurück in deine Heimat. Du kannst diesen Aufbruch, diese Euphorie noch einmal untermauern. Und ich trage die Verantwortung dafür, dir eine Mannschaft an die Seite zu stellen, mit der das funktionieren kann.‘ Dann habe ich gesagt: ‚Schlaf eine Nacht darüber.‘ Und dann ging das ratzfatz.“
„Drei Spieltage vor Schluss spielte Magdeburg gegen Leverkusen. Wir lagen gegen Kiel 0:2 zurück und mussten dieses Spiel gewinnen. Gleichzeitig durfte Leverkusen in Magdeburg nicht verlieren. Dort stand es 0:0 und Leverkusen bekam eine Rote Karte. Ich habe aber zu unseren Jungs gesagt: ‚Es steht 2:0 für Leverkusen.‘ Das war wirklich so. Die haben gesagt: ‚Echt?‘ Und dann hat uns der Fußballgott oder wer auch immer geholfen. Wir haben unser Spiel noch gedreht und 3:2 gewonnen. Und Leverkusen hat tatsächlich nicht in Magdeburg verloren.“
„Wir kamen aus Bielefeld zurück. Ich hatte dort angekündigt, dass ich nach der Saison aufhöre, weil es diese Provokationen aus dem Präsidium gab. Nach unserer Rückkehr stellten mich die Fans zur Rede und wollten wissen, warum ich zurücktrete und den Verein verrate. Dann habe ich ihnen die Situation erklärt. Aber dabei hat mir jemand heimlich ein Handy hingehalten und das wurde eins zu eins veröffentlicht. Aus einem Opfer wurde plötzlich ein Täter. Aber zu dem, was ich dort gesagt habe, stehe ich auch heute noch zu 100 Prozent. Zumal es zu 100 Prozent die Wahrheit war. Der Verein hat mich danach zunächst fristlos gekündigt.
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