Neu im Kino: Südkoreas Oscar-Kandidat „Possible Love“
Eine Filmemacherin dreht über eine Arbeiterfamilie - und plötzlich verschwimmen die Grenzen zwischen Beobachtung und Einmischung. „Possible Love“ ist Südkoreas Oscar-Kandidat und Venedig-Preisträger.
Viele waren sich dieses Jahr bei den Filmfestspielen in Venedig einig, dass „Possible Love“ den Sieg verdient hätte.
Das Werk hob sich aus einem weitgehend enttäuschenden Wettbewerb deutlich ab.
Am Ende gewann der südkoreanische Regisseur Lee Chang-dong dafür immerhin den zweitwichtigsten Preis. „Possible Love“ ist ein feinfühliges Drama, das große Themen aufwirft und gleichzeitig die Macht und Grenzen des filmischen Blicks hinterfragt.
Lee Chang-dong erzählt - wie schon in seinem Kritikerliebling „Burning“ - von Klassenunterschieden, von Freundschaft und Liebe.
Obwohl der fast dreistündige Film langsam erzählt, erzeugt er eine immense emotionale Spannung.
Zwei ungleiche Ehepaare treffen aufeinander Der Film erzählt von zwei Ehepaaren in Südkorea , die in völlig unterschiedlichen sozialen Sphären leben.
Die wohlhabende Filmemacherin Ye-ji dreht eine Dokumentation über Arbeiterfamilien und Arbeitskämpfe und begleitet dafür den arbeitslosen Ho-seok und seine Frau Mi-ok, die noch immer unter den Folgen eines gescheiterten Streiks leiden.
Dabei kommen sich vor allem die beiden Frauen näher, und eine Freundschaft entwickelt sich.
Im Verlauf der Dreharbeiten gerät das ohnehin fragile Machtgefüge zwischen den Protagonisten zunehmend aus dem Gleichgewicht.
Vor und hinter der Kamera brechen verdrängte Gefühle auf, und die Grenzen zwischen Beobachtung, Teilhabe und Ausbeutung verschieben sich.
Es geht auch um die Frage, wer wen beobachtet, wer die Perspektive bestimmt und wer darüber entscheidet, welche Geschichten erzählt werden können.
Südkoreas Oscar -Kandidat Lee Chang-dong sagte in Venedig, dass die Filmfigur der Dokumentarfilmerin Ye-ji seine eigene Einstellung zum Filmemachen widerspiegle. „Diese Beziehung zwischen mir und den Menschen, von denen ich in meinen Geschichten erzähle - ihrem Leid, seien es Arbeiter, Randgruppen oder Studenten, die für Demokratie kämpfen -, da habe ich mir immer die Frage gestellt: Wie nah stehe ich ihnen, und wie ehrlich bin ich bei der Darstellung ihrer Lage oder ihrer Haltung?“ Der 72-jährige Filmemacher ist einer der bedeutendsten Regisseure und Drehbuchautoren des modernen südkoreanischen Kinos.
Sein neuer Film geht für Südkorea ins Rennen um den Oscar als „Bester Internationaler Film“. „Possible Love“ ist eine Netflix-Produktion, Streaming-Start ist am 6.
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