Dauer-Zoff mit Hertha vorbei - Bobic: „Peter Görlich hat großes Lob verdient.“
Für Ex-Hertha-Manager Fredi Bobic (54) läuft es aktuell rund. Vor drei Wochen endete der Marathon-Prozess mit Hertha BSC nach drei Jahren und sieben Monaten. Beide Seiten einigten sich auf einen Vergleich, den das Gericht bestätigte. Bobic erhält somit über 4 Mio. Euro. Und mit seinem Klub Legia Warschau steht er ungeschlagen auf Platz zwei in der ersten polnischen Liga. BILD sprach mit Bobic über Legia, Hertha, das Prozessende und Nationaltrainer Jürgen Klopp.
Fredi Bobic: Es waren zuletzt sehr intensive Monate. Ich mache jetzt Urlaub in den USA und freue mich, mal zweieinhalb Wochen abzuschalten.
Sie sind seit dieser Saison Sportdirektor in Warschau! Warum läuft es jetzt nach zwischenzeitlichem Abstiegskampf in der vergangenen Saison so gut?
Wir hatten auch schon in der letzten Rückrunde einen Riesenlauf, hätten fast noch Europa erreicht. Der neue Trainer Marek Papszun ist ein Volltreffer, er passt perfekt zu uns. Die Transferzeit war dazu sehr intensiv. Wir haben 18 Spieler abgegeben (für 7 Mio. Einnahmen, Anm. d. Redaktion) und acht Neue geholt (für insgesamt 780.000 Euro). Wir mussten einen wirtschaftlichen Plan erfüllen und wir sind sehr erleichtert, dass uns das gelungen ist. Wir haben den Kader von 39 auf 24 Spieler reduziert und das Gesamtbudget um 26 Prozent gesenkt. Trotzdem haben wir eine Mannschaft aufgebaut, die konkurrenzfähig ist. Mit vielen Spielern, die wir aus der eigenen Akademie hochgezogen haben, sind wir in einer extrem ausgeglichenen Liga ordentlich mit fünf Siegen und vier Unentschieden gestartet. In Polen investieren viele Eigentümer in ihre Klubs. Um da mitzuhalten, mussten wir hier alle enger zusammenrücken.
Unser Ziel ist es, nach Europa zurückzukehren. Wir befinden uns im Umbruch. Von der Meisterschaft zu reden, wäre unrealistisch.
Kommen wir zu Ihrem Ex-Klub! Hat Hertha den Vergleich bereits erfüllt? Ist alles vom Tisch?
Ja, der Vergleich wurde erfüllt. Und das eigentlich unnötige Thema ist nach so langer Zeit endlich beendet. Jetzt können alle Seiten nur noch nach vorn schauen.
Wie erleichtert sind Sie? Und welchen Anteil hatte Herthas Geschäftsführer Dr. Peter Görlich?
Ich bin froh und erleichtert. Aber nicht wegen des Geldes. Es standen viele Vorwürfe (u.a. Verdacht auf Geheimnisverrat, vereinsschädigendes Verhalten – Anm. der Red.) im Raum, die alle klar bewertet wurden. Für meine Seite wurde klar Recht gesprochen. Dass es jetzt zum Vergleich kam, daran hat Dr. Peter Görlich, zu dem ich immer ein gutes Verhältnis hatte, einen großen Anteil. Er ist aktiv auf das Hertha-Präsidium und mich zugegangen, um das Thema sauber zu beenden. Dafür hat er ein großes Lob verdient.
Sportlich läuft es auch bei der Hertha rund. Verfolgen Sie Hertha noch?
Ich schaue mir alle meine ehemaligen Klubs an. Auch Hertha ist enger zusammengerückt und Trainer Stefan Leitl macht einen überragenden Job. Ohne große Namen stehen sie an der Spitze der 2. Liga, die alles abverlangt. Sie nutzen die jugendliche Frische, haben einen Top-Start hingelegt, reiten auf der Erfolgswelle. Hertha kann am Ende wirklich gut abschneiden. Und vielleicht befreit es das Team, dass man ohne Aufstiegsziel und ohne Druck aufspielen kann.
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