Tourismusforscher warnen - Macht KI unseren Urlaub kaputt?
Wo soll es im nächsten Urlaub hingehen? Früher bedeutete diese Frage: Reiseführer aufschlagen, Freunde fragen, stundenlang googeln. Heute reicht ein Satz an die KI. „Ich habe sieben Tage Zeit, 1500 Euro und möchte Sonne, gutes Essen und möglichst wenige Touristen.“ Wenige Sekunden später steht der Urlaub. Bequemer geht es kaum. Aber genau darin steckt das Problem.
„Schon heute hat KI die Art, wie wir unseren Urlaub planen, verändert“, sagt Tourismusforscher Harald Pechlaner von der Katholischen Universität Eichstätt. Nach einer Bitkom-Umfrage vom August nutzt bereits rund jeder Vierte KI bei der Reiseplanung. Statt zehn Reiseportale zu durchsuchen, könnten Urlauber künftig einfach mit einer KI sprechen. Sie kennt Budget, Reisezeit und Interessen und bastelt daraus einen kompletten Urlaub . Und sie kann noch mehr: Hat der Flug Verspätung, regnet es am geplanten Ausflugstag oder gefällt dem Urlauber ein Ort nicht, kann der Reiseplan angepasst werden.
Experten sehen darin eine paradoxe Gefahr: Unsere Reisen könnten einander immer ähnlicher werden. Denn die KI lernt unter anderem aus Bewertungen, Buchungen und Popularitätsdaten. Fragen Millionen Menschen nach dem „schönsten Strand“ oder dem „besten Restaurant“, können auch Millionen Menschen dieselben Antworten bekommen. Harald Zeiss, Direktor des Instituts für Tourismusforschung der Hochschule Harz, spricht deshalb von einer möglichen „algorithmischen Gleichförmigkeit“. Der Geheimtipp ist dann plötzlich gar keiner mehr.
Und wenn Algorithmen immer wieder dieselben Ziele empfehlen, könnten sie den Massentourismus weiter verstärken. KI könnte allerdings auch helfen, die Massen besser zu verteilen: Sie könnte andere Reisezeiten, weniger bekannte Orte oder alternative Routen vorschlagen. Doch dafür ist entscheidend, welches Ziel der Algorithmus verfolgt. Will er den Urlauber möglichst glücklich machen? Oder möglichst viele Klicks und Buchungen erzeugen?
Vielleicht verliert der Urlaub durch KI nicht zuerst seine Individualität – sondern seinen Zufall. Denn die schönsten Reiseerlebnisse lassen sich nicht immer planen. Zeiss warnt davor, dass „Zufall, Neugier und die Offenheit für das Unerwartete“ verloren gehen könnten. Wer der KI immer nur sagt, was ihm bisher gefallen hat, bekommt schließlich immer mehr davon. Und auch die Gastfreundschaft könnte sich dadurch verändern. Was passiert, wenn Urlauber nicht mehr die Rezeptionistin nach ihrem Lieblingsrestaurant fragen, sondern den Chatbot? Wenn sie nicht mehr einfach loslaufen, sondern einem Algorithmus folgen? Dann wird Reisen zwar einfacher – aber möglicherweise auch ein Stück unpersönlicher.
KI kann uns dabei helfen, Zeit und Geld zu sparen. Aber genau das, was eine Reise unvergesslich macht, lässt sich nicht immer optimieren. Vielleicht sollte man der künstlichen Intelligenz deshalb nicht die komplette Reise überlassen, sondern ihr manchmal bewusst widersprechen.
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