Der große Karriere-Check - Master oder Meister? Hier gibt es das meiste Geld
Jahrelang an der Uni pauken, Schulden anhäufen, mit Ende 20 endlich der erste Job – oder ab Tag eins eigenes Geld, mit 25 schon Chef? Wenn Eltern ihren Kindern raten: „Studier lieber etwas Ordentliches“, meinen sie es gut. Doch die alte Formel „Abi, Uni, Wohlstand“ wackelt gewaltig.
Jörg Dittrich (57), Präsident des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks (ZDH), sagt es glasklar: „Wer glaubt, Karriere gibt es nur mit Studium, der hat einen der besten Karrierewege unseres Landes nicht auf dem Schirm.“ BILD hat zwei Handwerker getroffen, die es besser wissen als jeder Ratgeber.
Sabrina Arnold (44) hat studiert, machte Diplom, war jahrelang Sporttherapeutin in der Reha-Klinik. Klingt nach Sicherheit, war aber vor allem eins: nicht besonders gut bezahlt. „Als einfacher Sporttherapeut ist es schon sehr bescheiden gewesen“, sagt sie heute. Unter Kommilitonen kursierte später ein bitterer Spruch: Man habe quasi „in die Armut studiert“.
Dann der radikale Schnitt. Arnold stieg als Quereinsteigerin ins Dachdeckerhandwerk ein, machte den Meister – als Jahrgangsbeste – und gründete parallel ihre eigene Firma: die SaAr Dach & Solar GmbH im saarländischen Schmelz. Heute klettert die frühere Akademikerin selbst aufs Dach, führt ihren Betrieb, beschäftigt ein Team.
Und beim Geld? Die Frage, ob sie früher oder heute besser verdient, beantwortet sie ohne eine Sekunde zu zögern: „Jetzt. Definitiv.“ Schon als angestellte Handwerkerin hatte sie mehr auf dem Konto als je als Sporttherapeutin. Ihr nüchternes Fazit nach dem Wechsel: „Geld verdient man nicht ohne Arbeit im Handwerk .“ Aber verdienen, das tut sie jetzt.
Felix Wissing (29) hat einen anderen Weg genommen: Schon in der 10. Klasse auf dem Gymnasium spürte er: „Mir fehlte der Sinn in dem, was wir in der Schule machten. Wofür brauche ich das in meinem Leben?“ Stattdessen arbeitete er schon als Teenager in den Ferien bei Opa im Malerbetrieb. Abends fiel er „fix und alle ins Bett“ und stand morgens „mit Spaß auf, weil ich wusste, es geht wieder auf die Baustelle“.
Der Rest ist fast wie im Bilderbuch: 2013 Lehre bei Opa, 2016 Jahrgangsbester, 2017 Meister. Und mit gerade mal 25 übernahm er 2022 den Familienbetrieb – gefeiert im großen Zelt mit allen Kunden. Heute führt Wissing sechs Mitarbeiter. Was ihn morgens aus dem Bett treibt, ist nicht der schnelle Euro: „Ich würde keinen Tag aufstehen, nur weil ich sage: Da können wir gutes Geld verdienen.“ Es ist etwas anderes, und dafür findet er einen Satz, der hängen bleibt: „Ich darf, seit ich 25 bin, Menschen beraten, die mir ihren Lebensraum anvertrauen.“ Bereut hat er nichts, würde immer wieder als Erstes eine Ausbilundg machen. Danach Studieren könne man immer noch.
Dass Sabrina Arnold und Felix Wissing keine Einzelfälle sind, belegen wissenschaftliche Zahlen. Forscher der Universität Tübingen haben ausgerechnet: Über das ganze Berufsleben verdienen Meister und Techniker ähnlich viel wie Akademiker – und immer mehr als Menschen mit reiner Ausbildung. Der Clou: Wer studiert, überholt den Ausbildungsstarter beim Verdienst erst mit 39 Jahren.
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