Japans Kampf gegen Kriminalität auf dem Milliardenmarkt Pokémon
Gezielte Einbrüche und Betrug Japan kämpft mit dem Milliardenmarkt Pokémon Stand: 19.08.2026 • 12:09 Uhr
Der Markt von Pokémon-Karten boomt, manche von ihnen werden für Millionen gehandelt. In Japan wächst deshalb die Sorge vor Geldwäsche, Fälschungen und Diebstahl. Die Politik ist alarmiert.
Eine Pokémon-Karte passt in ein Visitenkartenetui und kann trotzdem Millionen wert sein. Genau diese Mischung macht die Karten inzwischen auch für Japans Politik interessant. Der Abgeordnete Takuma Miyaji von der regierenden Liberaldemokratischen Partei (LDP) sieht ein mögliches Geldwäsche-Risiko.
Wer illegal erwirtschaftetes Geld in eine wertvolle Karte stecke, könne diesen Wert anschließend leicht ins Ausland bringen. Goldbarren oder größere Gegenstände fielen bei Kontrollen auf. Eine Trading-Karte könne hingegen einfach in einem Etui verschwinden, sagt Miyaji.
Wie sehr sich das Geschäft verändert hat, zeigt sich in Tokios Elektronikviertel Akihabara. In den Vitrinen von Kartenhändler Takumu Jinbo liegen Pikachu, Rayquaza und andere Pokémon-Karten hinter Glas. Einige Karten kosten mehrere Millionen Yen.
Jinbo verkauft seit Jahren Sammelkarten. Früher seien vor allem Fans und Sammler gekommen. Heute gehe es vielen um etwas anderes, sagt Jinbo. Mehr als 70 Prozent der Kunden kämen wegen des Investments oder, weil sie einen Wiederverkaufswert sehen.
Der japanische Markt für die sogenannten Trading-Cards ist in den vergangenen vier Jahren um rund 90 Prozent gewachsen. 2025 hatte er nach Angaben der Japan Toy Association einen Wert von rund 338 Milliarden Yen. Das entspricht etwa 1,83 Milliarden Euro. Aus einem Sammelhobby ist ein Milliardenmarkt geworden.
Das zeigt sich auch an einzelnen Karten. Im Februar wurde eine extrem seltene Pikachu-Karte für rund 16 Millionen US-Dollar verkauft. Mit den Preisen wachsen auch die Schattenseiten des Geschäfts.
Die Polizei in Tokio berichtet im Interview mit dem ARD-Studio Tokio von gezielten Einbrüchen in Trading-Card-Läden. Täter hätten Geschäfte vorher ausgekundschaftet, nachts Eingänge und Vitrinen mit Hämmern oder Brechstangen aufgebrochen und große Mengen Karten gestohlen.
Eine eigene Kriminalstatistik nur für Pokémon- oder Trading-Card-Diebstähle führe die Polizei allerdings nicht. Ob die Zahl solcher Taten tatsächlich steigt, könne sie deshalb nicht sagen.
Wegen der hohen Marktwerte rechne sie aber auch künftig mit gezielten Diebstählen. Gestohlene Karten wiederzufinden sei schwierig. Manche würden schnell weiterverkauft, andere gelangten ins Ausland, sagt die Polizei.
Inzwischen beschäftigt der Boom auch die Politik. Abgeordnete der LDP haben im Juli eine eigene Parlamentariergruppe zum Trading-Card-Markt gegründet. Sie soll sich unter anderem mit Fälschungen, massenhaften Aufkäufen zum Weiterverkauf und dem Risiko von Geldwäsche beschäftigen.
Miyaji halte etwa Identitätskontrollen beim Handel mit besonders teuren Karten für denkbar. Auch Händler Jinbo verlange nach eigenen Angaben bei bestimmten hochpreisigen Geschäften bereits einen Ausweis. Neue Regeln hält er grundsätzlich für nötig.
Die Politik wolle den Markt allerdings nicht abwürgen.
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