TV-Kritik „Maybrit Illner“: „Tief in den Abgrund geschaut“
Da stand Friedrich Merz beim Arktis-Gipfel in Lappland, aber seine Probleme waren mitgereist. Es nützte nichts, dass er manche dieser Probleme für kleiner erklären wollte als die internationalen Krisen: Zu Hause wurde nach der CDU-Niederlage in Sachsen-Anhalt weiter über Konsequenzen diskutiert. Bei „Maybrit Illner“ war der „Lappland-Moment“ Auftakt für Spekulationen über die Kanzler-Zukunft, der Titel fragte: „Kriegt der Kanzler die Kurve?“.
Der Journalist Gordon Repinski, der unter anderem für „Politico“ und die „Welt“ arbeitet, sagte, Merz habe in dieser schwierigen Woche einmal „tief in den Abgrund geschaut“. Mit ihm saß CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann am Tisch, außerdem die Leipziger Strafrechtsprofessorin und Autorin Elisa Hoven sowie Fabian Grischkat, Podcaster und von Illner als „Newsfluencer“ vorgestellt. Der parteilose Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer wurde zugeschaltet.
Zunächst bemühte sich Hoppermann in der Rolle der Krisenmanagerin, den bundespolitischen Schaden nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt klein zu reden. Merz müsse selbstverständlich auch unabhängig von den kommenden Wahlergebnissen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern im Amt bleiben. Nun gehe es darum, Geschlossenheit zu zeigen. Dass Ministerpräsidenten der Union dem Kanzler mit ihrem Brief demonstrativ Unterstützung zugesichert hatten, wertete Hoppermann als Zeichen der Stabilität.
Repinski sah eher das Gegenteil. Die Unionsspitze habe sich nach Sachsen-Anhalt gefragt, was passiere, wenn diese Kanzlerschaft „unkontrolliert endet“. Allerdings habe man wohl festgestellt, dass niemand eine überzeugende Antwort oder Alternative parat habe. Merz habe also nicht zuletzt die Ratlosigkeit seiner innerparteilichen Kritiker geholfen. Hoven widersprach der Vorstellung, die Ungeduld vieler Bürger mit dem Kanzler sei nur eine Reaktion auf anhaltend schlechte Kommunikation. Merz habe sich nach der Bundestagswahl von Wahlkampfversprechen entfernt und damit Vertrauen verspielt. Es fehle für viele Bürger eine erkennbare Vorstellung davon, wohin sich Deutschland entwickeln solle.
Grischkat nahm sich dennoch die politische Kommunikation vor. Gerade bei jungen Wählern habe die Union ein Problem. Merz werde sich als Persönlichkeit kaum noch grundlegend verändern, seine Sprache könne sich aber verbessern. Nach einer Niederlage könne ein Politiker schließlich auch einmal sagen: „Scheiße gelaufen.“ Zwischen dieser Direktheit und den üblichen Floskeln müsse etwas möglich sein, sagte Grischkat.
„Pragmatische“ Politik verbinden viele mit dem Tübinger Oberbürgermeister, der früher bei den Grünen war. Als sie Palmer begrüßte, zitierte Illner zunächst einen schiefen Vergleich, den sie gelesen habe. Der parteilose Politiker habe viele Menschen für sich gewinnen können und sei so gewissermaßen der „Mamdani von Tübingen“, hatte da wohl jemand fabuliert.
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