Kinofilm über Holocaust-Überlebenden - Auschwitz war immer in seinem Kopf
Leer – Jeder Tag führte Albrecht Weinberg zurück nach Auschwitz. Die furchtbaren Erinnerungen an das Grauen in den Konzentrationslagern der Nazis gingen ihm nie aus dem Kopf. Jetzt erzählt ein bewegender Kinofilm vom Leben des beeindruckenden Zeitzeugen, der im Mai mit 101 Jahren gestorben ist.
Bis zuletzt quälte ihn die Frage, warum die Deutschen ihn und seine Verwandten so hassten. Albrecht Weinberg kam 1925 in Rhauderfehn (Landkreis Leer) in Ostfriesland (Niedersachsen) auf die Welt. „Wir hatten sehr liebevolle Eltern“, erinnert er sich im Film. Sie hätten ein ganz normales Familienleben und friedliches Leben mit ihren Nachbarn gehabt, bevor die Nationalsozialisten die Macht übernahmen. „Wir waren ganz normale Kinder. Wir haben Grünkohl gegessen, Plattdeutsch gesprochen. Wir waren Ostfriesen“, so Albrecht Weinberg in dem Kinofilm. Der einzige Unterschied: Sie seien nicht katholisch oder evangelisch gewesen.
Kurz vor Weinbergs achtem Geburtstag wurde Hitler Reichskanzler. In dem berührenden Film berichtet Albrecht Weinberg Schülern, dass seine Freunde plötzlich nicht mehr mit ihm spielen durften, weil er Jude war. Er überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Bergen-Belsen sowie die Todesmärsche. In Auschwitz wurde ihm seine Häftlingsnummer auf den Arm tätowiert. Sie lautete 116.927.
„Ich brauche mir nur das Gesicht zu waschen und sehe die Nummer auf meinem Arm. Da bin ich wieder da“, sagt Weinberg in dem Kinofilm. „Ich träume davon. Über 40 Menschen aus meiner Familie sind ermordet worden. Ich wache auf in kaltem Schweiß. Mein ganzes Leben ist das oben in meinem Kopf.“ Seine Eltern wurden von den Nazis in Auschwitz ermordet.
Für den Dokumentarfilm „Albrecht Weinberg – Es ist immer in meinem Kopf“ haben die Regisseure Güner Yasemin Balci und Jesco Denzel den Holocaust-Überlebenden und seine engste Vertraute Gerda Dänekas über Jahre begleitet. Es ist ein berührender und erschütternder Film und zugleich ein liebevolles Porträt über einen warmherzigen Mann und seine ehemalige Altenpflegerin, die zu seiner engsten Bezugsperson wurde.
„Nachdem ich mit meiner Schwester Friedel 1947 ausgewandert bin, wollte ich nie wieder nach Deutschland zurück. Wir wollten vergessen“, sagt Weinberg in dem Film. Die beiden schworen sich, sollten sie jemals heiraten, keine Kinder in die Welt zu setzen. Sie fürchteten, dass ihre jüdischen Kinder möglicherweise dasselbe durchmachen müssten wie sie.
Albrecht Weinberg und seine Schwester lebten mehr als 60 Jahre in den USA . Jahrzehntelang sprach er nicht darüber, was die Deutschen ihm und seiner Familie angetan hatten. Dann erreichte ihn ein Brief aus Ostfriesland, seiner alten Heimat. Bürger luden Albrecht und seine Schwester Friedel ein. „Wir hatten eine sehr gute Zeit und haben Deutsche kennengelernt, die normale Menschen waren“, erzählt Weinberg im Film. „Das hatten wir als Kinder gar nicht erfahren.“ Aus der Begegnung entwickelte sich eine Freundschaft. Als Friedel 2011 einen Schlaganfall bekam, kehrten die Geschwister 2012 nach Leer zurück und zogen in ein Seniorenheim. Gerda Dänekas arbeitete dort als Altenpflegerin.
„Mein Chef rief mich und sagte: Da kommen zwei Leute aus Amerika.
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