Öko-Test schlüpfrig : Bei diesen drei Gleitgelen läuft es nicht wie geschmiert
Wer mit wem, wo und wie? Egal, Hauptsache der Sex ist einvernehmlich. Mitunter bedarf es aber etwas Gleitgel, damit die Sache reibungslos läuft. Doch bevor untenrum geschmiert wird, gilt es, auf die Qualität der verwendeten Produkte zu achten.
Gleitgele sollen das Liebesleben angenehmer machen. Es dient allerdings nicht nur dazu, den Sex reibungsloser und lustvoller zu gestalten, sondern schützt auch vor Schmerzen und hilft, kleinere Verletzungen und somit auch Infektionen zu vermeiden. Beispielsweise bei Vaginaltrockenheit infolge hormoneller Verhütung, Medikamenteneinnahme, der Wechseljahre oder schlicht bei Stress. Abgesehen davon ist die Verwendung nicht nur auf den weiblichen Körper beschränkt.
Öko-Test hat 24 wasserbasierte Gleitgele aus Apotheken, Drogerien, Erotikshops und dem Onlinehandel eingekauft. Auf Produkte, die mit Geschmack oder Aroma, wärmender Wirkung, als Massagegel oder explizit für die Anwendung bei Kinderwunsch beworben wurden, haben die Tester verzichtet. Pro 100 Milliliter zahlten sie zwischen 2,99 und 16,66 Euro.
Da Gleitgele an besonders sensiblen Körperstellen zum Einsatz kommen, haben die Verbraucherschützer bei den Inhaltsstoffen genauer hingeschaut. Ein spezialisiertes Labor analysierte die Gele auf allergene Duftstoffe, Diethylphthalat, polyzyklische Moschus- und Nitromoschusverbindungen sowie Cashmeran - ohne bei einem Produkt fündig zu werden. Darüber hinaus wurden die Produkte auf Formaldehyd/-abspalter und andere Konservierungsstoffe untersucht sowie der pH-Wert bestimmt. War ein optimierter pH-Wert ausgelobt, wurden die Laborergebnisse mit dem optimalen vaginalen pH-Bereich abgestimmt. Per Deklaration wurden zudem PEG/PEG-Derivate erfasst, die die Hautbarriere durchlässiger für Fremdstoffe machen können, und synthetische Polymere in der Rezeptur.
Ergebnis? Das Gleitgel "Super Rutscher Sex Max" wird vom Hersteller Joydivision als besonders "hautfreundlich" beworben, auch bei häufiger Anwendung. Gleichzeitig setzt er den Formaldehydabspalter Imidazolidinyl-Urea ein. Erwartungsgemäß wies das beauftragte Labor Formaldehyd im Testprodukt nach. Der Stoff ist als wahrscheinlich krebserregend der Kategorie 1B eingestuft und kann schon in geringen Mengen Schleimhäute reizen und Allergien auslösen. Außerdem bemängeln die Tester das Fehlen eines entsprechenden Warnhinweises auf dem Produkt. Das Testurteil lautet "ungenügend". Immerhin: Der Hersteller teilte den Verbraucherschützern mit, den Warnhinweis auf noch lagernden Tuben per Aufkleber ergänzt zu haben und zukünftig vollständig auf Imidazolidinyl-Urea verzichten zu wollen.
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