Basketball droht Spaltung: Gierig und planlos: NBA versetzt Europa in Aufruhr
Gemessen am Starttermin sind für das spannendste Basketball-Projekt der jüngeren Vergangenheit noch sehr viele Fragen ungeklärt. In ziemlich genau einem Jahr will die NBA in Europa loslegen und das schillerndste Produkt ihres Sports auf einem neuen Kontinent etablieren. Doch bisher stehen weder Modus noch Teilnehmer fest - und erst recht nicht, was aus dem bisherigen Premiumwettbewerb Euroleague wird.
"Die NBA Europe ist der Elefant im Raum. Ich weiß auch nicht viel mehr als ihr. Es gibt noch mehr offene Fragen als Antworten", sagte Bundesliga-Boss Stefan Holz dieser Tage zu Journalisten. Wenn es im Oktober 2027 wirklich losgehen soll, bleibt nicht mehr viel Zeit, um entsprechende Strukturen aufzubauen - und um eine Einigung mit der privatwirtschaftlichen Euroleague hinzubekommen.
Die legt in dieser Woche wieder mit ihrem XXL-Betrieb los: mit 20 Teams, darunter auch Dubai, 38 Spieltagen - und einem großen Selbstbewusstsein. Die Botschaft Richtung Amerika lautet: Wir sind selbst stark. "Wir haben einen Plan, die Pyramide zu vergrößern und das Ökosystem auszubauen; wir werden keinen schlechten Deal abschließen. Die Frage ist, was sie zu bieten haben", sagte Euroleague-Geschäftsführer Chus Bueno jüngst in einer Medienrunde.
Die Euroleague ist eine funktionierende Maschine und hat sich im Laufe der Jahre massiv entwickelt. Zuletzt klang sogar durch, die derzeitige Königsklasse auf dem Kontinent peile eine Erweiterung auf 24 Teams an. So könnte der Wettbewerb noch wertvoller werden und an sportlichem Reiz gewinnen. Was kann die NBA dem entgegensetzen?
Liga-Boss Adam Silver setzt auf eine Verständigung und einen Zusammenschluss der beiden Wettbewerbe. Dies wäre "das beste Resultat", sagte Silver bereits im Frühjahr, "zum Wohle des europäischen Basketballs, um den Sport in ganz Europa zu fördern". Nach dpa-Informationen haben 20 bestehende Fußball- und Basketball-Klubs ihre Gebote für die NBA Europe eingereicht. Bewerber gibt es also offensichtlich genug.
Aber die Interessenten wissen aktuell selbst nicht, woran sie sind. Manager Marco Baldi rätselte jüngst über den straffen Zeitplan und sprach von einem "komplizierten Prozess". Aufsichtsrat Axel Schweitzer sagte: "Wir wollen gerne ein Teil der NBA sein. Gleichzeitig wollen wir aber nicht nur irgendein Team sein. Wir wollen zentraler Teil sein und mitgestalten." Im Gespräch ist eine Liga mit 16 Teilnehmern, darunter zwölf festen Teams.
Während der Meister aus Berlin kein Teil der Euroleague mehr ist und sich voll auf einen möglichen NBA-Start konzentrieren kann, gehört der FC Bayern zur europäischen Premiumliga - und ist gleichzeitig eines der begehrtesten Ziele für die NBA und ihre Pläne.
"Ich glaube auch - ohne jetzt zusätzlich selbstbewusst klingen zu wollen - dass eine internationale Liga, sei es eine NBA Europe, sei es die Euroleague, ein Interesse daran haben wird, dass der FC Bayern Basketball daran teilnimmt", sagte der neue Münchner Sportchef Torsten Leibenath.
Bayerns Geschäftsführer Adrian Sarmiento hält den Vorstoß der NBA für wertvoll, weil neue Märkte und Standorte einbezogen werden können.
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