Nationalpark Unteres Odertal - Rekordsommer lässt Ökoparadies austrocknen
Criewen (Brandenburg) – Die Flussauen des Nationalparks Unteres Odertal gelten als natürliche Klimaanlage im Nordosten Brandenburgs. Normalerweise werden die riesigen Auenflächen regelmäßig durch das Hochwasser der Oder überflutet. Auf den Wiesen bleiben Wasserflächen und Tümpel zurück, die seltenen Tier- und Vogelarten Lebensraum bieten und durch ihre Verdunstung die Umgebung kühlen. Doch nach dem Rekordsommer fehlt das Wasser. Die Klimaanlage der Region droht auszufallen.
Dirk Treichel leitet den Nationalpark Unteres Odertal ( Brandenburg ) und kennt das Schutzgebiet wie kaum ein anderer. Seit 1994 arbeitet er hier und hat den einzigen Flussauen-Nationalpark Deutschlands mit aufgebaut. Mehr als die Hälfte seiner 10.430 Hektar Fläche besteht aus Auenlandschaften.
Die Krise sieht auf den ersten Blick unspektakulär aus. Kein verbrannter Wald, keine staubige Wüste. Stattdessen eine grüne Landschaft. Doch dort, wo normalerweise zahllose Tümpel, Gräben und Kleingewässer sind, ist nur noch trockener Boden übrig. Fast 42 Grad waren es am heißesten Tag dieses Jahres. Wochenlange Hitze , kaum Regen und eine enorme Verdunstung haben die Landschaft verändert. „Gräben voller Wasser sind jetzt nur noch mit Schlamm befüllt“, sagt Treichel. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“
Doch die Folgen treffen nicht nur die Natur. Die Wasserflächen wirken wie natürliche Kältespeicher und sorgen dafür, dass die Region selbst in heißen Sommern vergleichsweise kühl bleibt. „Menschen siedeln schon immer gerne in Flussauen, weil dort selbst in heißen Sommern ein angenehmeres Klima herrscht“, sagt Treichel. Weil die Wasserflächen schrumpfen, geht dieser Kühlungseffekt verloren.
Er blickt deshalb mit Sorge in die Zukunft: „Meine Prognose ist sehr ernüchternd“, so Treichel. Die Veränderungen gehen so schnell, dass sich viele Arten kaum noch anpassen können. Sein Fazit für den Nationalpark fällt entsprechend düster aus: „Es gibt nur noch Verlierer.“
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