Angst vor neuer Welle: "Einwohner schrien und rannten los"
Im Flut-Katastrophengebiet zwischen Nepal und China ist offenbar ein Damm gebrochen - die Angst vor einer Sturzflut wächst. Die Rettungsarbeiten wurden vorübergehend gestoppt.
Im Flut-Katastrophengebiet zwischen Nepal und China sorgt eine Warnung vor einer möglichen neuen Flut für Unruhe. "Wir haben Informationen erhalten, dass auf der tibetischen Seite ein Damm gebrochen ist", teilte die nepalesische Polizei mit.
Das Sicherheitspersonal, Rettungskräfte und die Bevölkerung in der betroffenen Gegend seien gebeten worden, wachsam zu bleiben und sich unverzüglich an einen sicheren Ort zu begeben, hieß es. Laut Berichten unter Berufung auf die Armee stellten die nepalesischen Rettungskräfte vorübergehend die Arbeit ein. Auch die Rettungskräfte auf der chinesischen Seite in Tibet zogen sich laut Staatsmedien vorübergehend in sichere Gebiete zurück.
Die Lage im nepalesisch-tibetischen Grenzgebiet sei äußerst angespannt, berichtet ZDF-Korrespondentin Miriam Steimer aus der von der Flut schwer zerstörten Stadt Bidur. Das Militär habe "plötzlich das Flussufer geräumt" und die Einheimischen aufgefordert, einen Berg hoch zu laufen, so Steimer. Die Reaktion der Anwohner habe gezeigt, wie groß die Angst vor einer erneuten Welle sei: "Sie schrien und rannten los."
Hintergrund der erneuten Welle sei wahrscheinlich das angestaute Wasser auf tibetischer Seite, so Steimer. Dort hätten sich schon am gestrigen Tag mehrere Kubikmeter Wasser angestaut. "Und diese Stauung soll jetzt übergelaufen sein."
Das Überlaufen eines durch Geröllmassen aufgestauten Sees an der Grenze zwischen Nepal und China hatte bereits am Donnerstag für Bedenken bei den chinesischen Behörden gesorgt, weil dort bereits zwei Millionen Kubikmeter Wasser eingeflossen seien und weiteres Wasser eindringe. Chinas Staatschef Xi Jinping sagte bei einer Sitzung der Kommunistischen Partei, die Stabilität am See müsse eng beobachtet werden.
Prognosen des chinesischen Wasserministeriums zufolge könnten die Zuflüsse zu dem See angesichts anhaltender Regenfälle in den nächsten drei Tagen rund drei Millionen Kubikmeter erreichen, wie chinesische Medien am Freitag berichteten. Das erhöhe das Risiko eines Dammbruchs, durch den Wassermassen flussabwärts strömen und weitere Schäden verursachen könnten.
Die Flut-Katastrophe war am Mittwoch durch den Einsturz eines Gletschers ausgelöst worden. Die Zahl der bestätigten Todesopfer in Nepal stieg am Freitag auf 472, nachdem China bislang 3 Opfer vermeldet hatte. Fast 1.000 weitere Menschen werden in Nepal und Tibet noch vermisst. Polizeisprecher Abi Narayan Kafle sagte der Deutschen Presse-Agentur:
Nach dem Gletschereinsturz hatte sich eine gewaltige Lawine aus Geröll, Eis und Schlamm durch die Flusssysteme des Himalayas ergossen. Das Geröll bildete in der Folge einen natürlichen Staudamm, der nun die flussabwärts gelegenen Ortschaften bedroht.
Die Flutwelle verwüstete Dörfer und Täler und zerstörte Kraftwerke, Straßen und Brücken auf der Strecke zwischen Kathmandu und Lhasa in Tibet, die bei Wanderern und Pilgern beliebt ist. Unter den Vermissten befinden sich mindestens 540 Ausländer, darunter laut nepalesischen Angaben auch acht Deutsche.
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