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Russische Desinformation? Fake-Streit zwischen Tschechien und Polen

Tagesschau Ausland ·
Russische Desinformation? Fake-Streit zwischen Tschechien und Polen

Russische Desinformation? Fake-Streit zwischen Tschechien und Polen Stand: 02.09.2026 • 08:50 Uhr

Polnische Gebietsansprüche im Grenzgebiet zu Tschechien galten bislang als bedeutungslose Fußnote der Geschichte. Bis es kürzlich hieß, Polen bestehe auf die Rückgabe. Mittlerweile ist klar: Alles frei erfunden.

Ein großes Thema in den tschechisch-polnischen Beziehungen waren die knapp 400 Hektar bislang nicht - allenfalls eine historische Fußnote, für die sich bereits eine Lösung abzeichnete. Bei einer Grenzbegradigung im Jahr 1958 überließ Polen der damaligen Tschechoslowakei rund 368 Hektar mehr als es im Gegenzug erhielt.

Zuletzt verhandelten beide Länder darüber, die Differenz durch gemeinsame Hochwasserschutzprojekte auszugleichen. So weit eine Geschichte, die selbst in der betroffenen Grenzregion rund um Cesky Tesin allenfalls einige Landwirte interessierte.

Doch plötzlich standen polnische Gebietsansprüche gegen Tschechien neu und mit Nachdruck im Raum. Unbekannte hackten die Seite eines polnischen Radiosenders und verbreiteten dort die Meldung, Polen fordere die Herausgabe tschechischen Gebietes.

Es folgten gefälschte Profile tschechischer und polnischer Diplomaten, ein falsches polnisches Regierungsschreiben, eine harsche und ebenso falsche tschechische Zurückweisung und eine täuschend echte Kopie des öffentlich-rechtlichen Nachrichtenportals iRozhlas.

Schließlich rief ein offenbar frei erfundener Organisator im Netz sogar zu einer Demonstration in der tschechischen Grenzstadt Trinec auf - der Slogan "Hier wohnen wir. Hier bleiben wir" sollte offensichtlich Ängste vor Enteignung und Vertreibung schüren. Innerhalb weniger Tage wurde so aus einer historischen Fußnote ein scheinbar echter internationaler Konflikt.

Ein via Social Media verbreiteter Aufruf zu einer anti-polnischen Demonstration.

Die Desinformationskampagne versucht, die Flammen eines alten Streits neu zu entfachen. Die Grenzstadt Cesky Tesin (wie sie auf Tschechisch heißt) / Ciezsyn (wie sie in Polen heißt) war nach dem Ende des Ersten Weltkriegs lange umstritten. 1919 setzte die junge Tschechoslowakei ihre Ansprüche in einem Sieben-Tage-Krieg militärisch durch.

Nach dem Münchner Abkommen besetzte Polen 1938 das Gebiet. Während des Zweiten Weltkriegs war es von Deutschland annektiert. 1945 wurde der polnisch-tschechoslowakische Grenzverlauf von 1920 wiederhergestellt, der die Stadt erneut in Cieszyn und Cesky Tesin teilte.

Erst der tschechisch-polnische Grenzvertrag von 1958 sorgte für Stabilität. Und nach dem Beitritt beider Länder zur EU 2004 und zur Schengen-Zone 2007 fanden auch die Bürger der geteilten Stadt zusammen. Die Beziehungen seien heute endlich frei von Problemen - umso mehr ärgert es viele hier, dass alter Hass angefacht werden soll.

"Reksio und der kleine Maulwurf wissen es schon lange: Polen und Tschechien sind echte Freunde", postete der polnische Premier Tusk als Antwort auf die Desinformationskampagne.

Wie viele Menschen die gefälschten Meldungen tatsächlich ernst nahmen, ist nicht bekannt. Dem gefakten Demonstrationsaufruf sei niemand gefolgt, sagte ein Vertreter der Stadt Trinec.

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