Als Bianca (40) das erste Mal für Sex bezahlt, schämt sie sich: „Da habe ich gemerkt: ‚Ich bin jetzt selbst eine Freierin‘“
Als sich Bianca* das erste Mal mit einem Callboy trifft, ist sie aufgeregt. So aufgeregt, dass sie es fast nicht genießen kann.
Kurz zuvor hatte sie in der Zeitung einen Artikel über Callboys und sexuelle Dienstleistungen für Frauen gelesen. Neugierig geworden suchte Bianca daraufhin im Internet nach käuflichem Sex – und wurde auf einer Callboy-Seite fündig. Sie buchte jemanden und lud ihn zu sich nach Hause ein.
„Ich hatte sogar einer Freundin den Schlüssel gegeben, dass sie im Notfall zu mir nach Hause gehen könnte“, sagt Bianca im Gespräch mit FOCUS online. „Ich wusste ja nicht, wie es abläuft, was mich erwartet und wie vertrauenswürdig das Ganze ist.“
Zum verabredeten Zeitpunkt schlägt der gebuchte Callboy bei Bianca auf. Er ist ein wenig älter als die damals 30-Jährige. „Und er war ansprechend. Das war er definitiv“, erinnert sie sich. Trotz seiner Professionalität will ihre Anspannung nicht weichen. „Ich war schon sehr nervös und konnte mich nicht richtig entspannen“, sagt sie. Die Erfahrung sei alles in allem „okay“ gewesen.
Als sie anschließend den Callboy für den Sex entlohnt, steigt ein komisches Gefühl in ihr auf. „Beim Bezahlen habe ich plötzlich gemerkt: ‚Ich bin jetzt selbst Freierin.‘ Und dann habe ich mich schon ein bisschen geschämt.“ Schließlich seien sexuelle Dienstleistungen nur etwas für männliche Kunden, denkt Bianca. „Das Vorurteil hat mich schon ein bisschen begleitet.“
Doch mittlerweile ist sie mit sich im Reinen, sagt die 40-Jährige. Die Scham hat sie abgelegt. Heute nimmt sie sexuelle Dienstleistungen zwei- bis dreimal im Jahr in Anspruch. „Sexkauf ist für mich Luxus“, sagt sie. „Etwas, bei dem ich Zeit für mich habe, bei dem ich selbst mal im Vordergrund stehe und Zuneigung erhalte.“
Durch sexuelle Dienstleistungen könne sie von ihrem stressigen Job im Gesundheitswesen abschalten und einfach „Me Time“ genießen. Außerdem erkunde sie gern ihre Sexualität und mache immer wieder neue Erfahrungen. „Daher ist Sexkauf von Vorteil für mich“, sagt Bianca. „Die Dienstleistenden haben eine Art Menüliste, von der ich mir etwas aussuchen kann.“
Die Sexarbeitenden, für deren Dienste sie sich entscheidet, sucht sie sich sorgfältig aus. „Ich schaue mir die Webseiten wirklich genau an, denn ich möchte ein Gefühl bekommen für diese dienstleistende Person“, sagt Bianca. „Mein Bauchgefühl muss stimmen.“
Auf der Webseite lese sie sich Rezensionen durch und schaue auch auf die Social-Media-Kanäle der Sexarbeitenden. Eine spezielle Präferenz, sei es das Geschlecht oder das Äußere, habe sie nicht.
„Das Aussehen spielt für mich gar keine Rolle. Nur die Dienstleistung steht für mich im Vordergrund.“ Oft versuche sie, zu denselben Sexarbeitenden zu gehen. Es sei ein vertrauensvolles, professionelles Verhältnis zueinander. „Außerhalb des Sexkaufs habe ich kein Interesse an ihnen.“
Mit Callboys trifft sich Bianca mittlerweile nicht mehr. „Ich habe gemerkt, es war mir irgendwie zu langweilig, mir fehlte etwas“, sagt die 40-Jährige. Der Film „Fifty Shades of Grey“ habe ihr schließlich die Augen geöffnet.
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