Landgericht nennt Termine: Prozess um systematische Gewalt in Behindertenheim beginnt
Ein „Time-Out-Raum“, Fesselungen, Tränengas: In einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung soll es jahrelang zu gewaltsamen Übergriffen gekommen sein.
Diese Woche beginnt der Prozess. Über viele Jahre hinweg sollen Bewohner einer Behinderteneinrichtung in Ostwestfalen systematisch eingesperrt und gefesselt worden sein - jetzt stehen drei leitende Mitarbeiter und ein Arzt vor Gericht.
Am Donnerstag (24.9.) beginnt der Prozess am Landgericht Bielefeld.
Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten unter anderem Freiheitsberaubung vor.
Außerdem geht es um gefährliche Körperverletzung, weil auch Tränengas gegen die Bewohner der Einrichtung eingesetzt worden sein soll.
Die Anklageschrift ist nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft 367 Seiten dick.
Darin werden knapp 200 mutmaßliche Taten aufgelistet, die sich im Zeitraum von 2014 bis 2019 in der Einrichtung in Bad Oeynhausen ereignet haben sollen.
Durch den Fall gab es eine intensive politische Diskussion über den Umgang mit Menschen, die aufgrund einer Behinderung stark verhaltensauffällig sind.
Auch die Rolle der Behörden und die Gesetzeslage wurden damals kritisch hinterfragt.
Leitungskräfte sollen illegale Maßnahmen angeordnet haben Auf der Anklagebank sitzen nun drei Leitungskräfte der Einrichtung im Alter zwischen 53 und 62 Jahren sowie ein heute 73 Jahre alter Psychiater .
Die Leitungskräfte sollen angeordnet haben, dass das Pflegepersonal jahrelang mit deutlich überzogenen Maßnahmen gegen Bewohner vorgegangen ist.
Der Psychiater soll das mit seiner Unterschrift unter entsprechenden Dokumenten teilweise möglich gemacht haben, berichtete ein Gerichtssprecher aus der Anklage.
Konkret wirft die Staatsanwaltschaft den Führungskräften vor, ihre Mitarbeiter angewiesen zu haben, Bewohner in einen sogenannten Time-Out-Raum zu sperren.
Auch in ihrem eigenen Zimmer sollen behinderte Menschen teilweise eingesperrt worden seien.
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