Das höchste Gefängnis der Welt - Wolkenkratzer-Knast entsteht mitten in New York
New York – Wo heute Touristen durch Chinatown schlendern, zwischen Restaurants, Wohnungen und Bürohäusern, wächst ein Bauwerk in die Höhe, das selbst in New York für Kopfschütteln sorgt. Mitten in Manhattan entsteht das höchste Gefängnis der Welt. 102 Meter hoch, 13 Stockwerke, Platz für bis zu 1040 Häftlinge. Der Spitzname: „Jailscraper“ .
Ein Wortspiel aus „Jail“ (Gefängnis) und „Skyscraper“ ( Wolkenkratzer ). Und tatsächlich sieht der Neubau auf den Entwürfen eher wie eine Firmenzentrale als wie ein Gefängnis aus. Glasfassaden statt Betonmauern und begrünte Bereiche statt Stacheldraht.
Doch hinter der schicken Hülle sollen künftig Untersuchungshäftlinge und Gefangene mit kürzeren Strafen sitzen. Die Pläne lesen sich fast wie die Ausstattung eines Studentenwohnheims: Einzelzellen, Gemeinschaftsbereiche, Dachterrassen und ein Basketballfeld. Die Fenster, die mit einem Metallnetz verkleidet sind, erlauben zwar den Blick in den Himmel, nicht aber hinunter auf den Trubel der Millionenstadt.
Genau das bereitet Fachleuten Sorgen. Die Architektin und Kriminologin Andrea Seelich hält wenig von Gefängnissen im Hochhausformat. Gegenüber dem „Stern“ sagte sie, dass Gefängnisse nicht höher als fünf Stockwerke sein sollten. Damit Häftlinge zurück in ein normales Leben finden, brauche es Außenflächen und Kontakt zum Boden und zur Umgebung. Dazu kommt die Größe des Baus mit mehr als 1000 Insassen unter einem Dach. Je größer ein Gefängnis, desto anonymer wird das Leben hinter Gittern.
Der Neubau soll einen Teil des berüchtigten Gefängnissystems auf Rikers Island ersetzen. Die Haftanstalten dort standen jahrelang wegen Gewalt , Todesfällen und sexuellen Übergriffen in der Kritik.
2019 beschloss die Stadt die Schließung des Komplexes. Stattdessen entstehen mehrere neue Gefängnisse in den Stadtteilen. Der Manhattan Detention Complex gilt als Herzstück des Projekts. Kosten: rund 3,9 Milliarden Dollar. Ein Vorteil wäre, dass Gefangenentransporte quer durch die Stadt künftig wegfallen könnten. Denn das Strafgericht liegt direkt nebenan.
Die angrenzenden Viertel Tribeca und Lower East Side gehören zu den begehrtesten Wohnlagen New Yorks . Die Mieten sind hoch, Eigentum ist teuer. Ein Gefängnishochhaus dieser Dimension mitten in einem solchen Umfeld ist selbst in den USA eine Ausnahme. Anwohner, Geschäftsleute und Immobilienbesitzer laufen seit Jahren Sturm gegen das Projekt. Sie fürchten jahrelangen Baulärm, Staub und mögliche Schäden an umliegenden Gebäuden. Viele sorgen sich auch um das Image ihres Viertels.
Ein weiteres Problem ist, dass durch die Schließung von Rikers Island die Zahl der Haftplätze deutlich sinkt. Statt rund 11.000 sollen künftig nur noch etwa 4000 Plätze zur Verfügung stehen.
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