Deutschlands Rekordschulden: Warum die Zahl wenig aussagt
Deutschland hat Rekordschulden in Höhe von 2,8 Billionen Euro. Gemessen an der Wirtschaftsleistung ist das noch vergleichsweise wenig. Für Unsicherheit sorgen sie trotzdem.
"Wir sind nach wie vor wirklich ein erstklassiger Schuldner auf der Welt." Mit diesem Satz wirbt Bundeskanzler Friedrich Merz ( CDU ) für Vertrauen in Deutschlands Finanzkraft. Gefallen ist er am Dienstag in Berlin während einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung. Tatsächlich genießt die Bundesrepublik bei Investoren weiterhin einen Ruf als besonders verlässlicher Schuldner.
Solche Bemerkungen kommen aber nicht von ungefähr. Deutschlands Schulden steigen kräftig. Und an den Finanzmärkten mehren sich Warnzeichen, dass das sehr wohl zu einem Problem werden könnte. Die Renditen zehnjähriger Bundesanleihen sind in dieser Woche auf den höchsten Stand seit 17 Jahren gestiegen. Schuldenmachen könnte also richtig teuer werden für den Staat.
Doch der Reihe nach. Rund 2,8 Billionen Euro Schulden hat der deutsche Staat inzwischen gemacht. Das entspricht mehr als 33.000 Euro pro Einwohner. Und der Schuldenstand könnte weiter wachsen: Allein im kommenden Jahr plant der Staat laut Haushaltsentwurf neue Kredite in Höhe von mehr als 200 Milliarden Euro.
Nach den Anstiegen durch die Wiedervereinigung und die Finanzkrise 2008 gingen die Schulden zunächst zurück. Seit 2020 aber stiegen sie rapide: Corona-Hilfen und Zahlungen während der Energiekrisen durch den Ukraine-Krieg und jüngst den Konflikt in Nahost treiben die Ausgaben - etwa durch den Tankrabatt bis Juli. Vergangenes Jahr beschloss die Bundesregierung unter Kanzler Merz zudem ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro, vorgesehen für Infrastruktur und Modernisierung, hinzu kommen Sonderausgaben für die Bundeswehr .
Im internationalen Vergleich steht Deutschland solide da. Denn entscheidend ist die Höhe der Schulden im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung - die Schuldenquote. Sie liegt hierzulande bei 63,5 Prozent und damit nur etwas über der vorgesehenen Grenze von 60 Prozent für Mitglieder der EU. Zum Vergleich: In den USA sind es über 120, in Italien mehr als 135 Prozent.
Um Kredite aufzunehmen, verkauft der Staat Bundesanleihen: Investoren kaufen sie, leihen dem Staat Geld und bekommen Zinsen dafür. Knapp die Hälfte dieser Schulden - 49 Prozent - hält das Ausland. Der größere Teil aber bleibt im Inland: bei deutschen Banken, Versicherungen und Fonds. Größter einzelner Gläubiger ist die Bundesbank mit rund 605 Milliarden Euro (Stand 2025) - eine Folge der massiven Anleihekäufe in der Euro-Krise.
Das führt zu einer besonderen Situation: Der Staat zahlt Zinsen an die Bundesbank. Ein Teil dieser Erträge kann über Gewinnausschüttungen der Bundesbank später wieder an den Staat zurückfließen. Das macht diesen Teil der Schulden vergleichsweise günstig. Auch sonst halten Ökonomen inländische Schulden für weniger problematisch, weil die Zinsen schließlich in der eigenen Volkswirtschaft bleiben.
Teuer sind Schulden trotzdem - oder können es werden. Die Zinsen für deutsche Anleihen liegen bei 2,5 bis rund 3,5 Prozent - je nach Laufzeit der Schuldscheine.
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