US-Open-Sieger: Genuss statt Stress: Zverevs neues Triumphgefühl
Für Alexander Zverev fühlt sich der zweite Grand-Slam-Titel ganz anders an als der erste.
Nach dem Triumph bei den US Open rückt schon das nächste große Ziel in den Fokus.
Spät am Abend der ganz großen Emotionen genoss Alexander Zverev einen Moment der Ruhe.
In der Kabine hatte der neue US-Open-Champion ausgelassen mit Champagner herumgespritzt, während der Siegerrede anrührend seiner Mutter gedankt.
Nun saß er im fast menschenleeren Arthur Ashe Stadium mitten auf dem Platz neben seinem Bruder Mischa.
Vor ihnen die silberne Trophäe.
Erneut am Ziel der Träume. „Ich kann das viel mehr genießen als in Paris“, schwärmte Zverev.
Bei den French Open hatte er die lange Jagd nach dem ersten Grand-Slam-Titel erfolgreich beendet - drei Monate später feierte er nun den Triumph als erst zweiter Deutscher nach Boris Becker im Männer-Einzel von New York . „In Paris war ich voller Stress, jetzt bin ich voller Freude.
Ich bin einfach überglücklich.“ Bis zu diesem Gefühl dauerte es beim verwandelten Matchball jedoch einige Augenblicke in einer der skurrilsten Szenen der Tennisgeschichte.
Als Zverev das 6:3, 7:6 (7:2), 5:7, 6:2 gegen den Amerikaner Ben Shelton perfekt gemacht hatte, wollte er zunächst weiterspielen, schaute verwundert auf die Anzeigetafel und riss erst dann jubelnd die Arme hoch. „Ich dachte, dass es 5:1 statt 6:2 steht“, erklärte der 29-jährige Hamburger seine Verwirrung. „Ich denke, ich habe einfach das Ergebnis vergessen.“ Zverev spricht über die „wichtigste und stärkste Person“ Schnell fing sich der Olympiasieger von 2021 wieder, erinnerte in seiner Ansprache an die nagende Zeit des Wartens. „Wir haben 30 Jahre lang keinen Grand-Slam-Titel gewonnen und jetzt haben wir zwei in drei Monaten gewonnen“, sagte er an sein Team gewandt. „Ich denke, Gott hat gesehen, wie viel wir arbeiten, wie viel wir gelitten haben, wie viel Schmerz hier reingeflossen ist.“ Eingebrannt hatte sich bei Zverev lange Zeit das Erlebnis vor sechs Jahren in New York, als er auch eine 2:0-Satzführung gegen den Österreicher Dominic Thiem nicht zum Titel nutzen konnte.
Nun präsentierte sich Zverev auch in den entscheidenden Momenten gereift und nervenstark, trotzte der hitzigen Stimmung mit zahlreichen US-Fans im größten Tennisstadion der Welt.
Spätestens mit der Würdigung seiner Mutter Irina als „wichtigste und stärkste Person“, die er kenne, erhielt Zverev auch den warmen Applaus aller Zuschauer, die US-Star Shelton zugejubelt hatten.
Nach seiner Diabetes-Diagnose im Alter von vier Jahren, so erinnerte sich Zverev, „brauchte es eine sehr starke Mutter, um die Praxis zu verlassen und zu sagen: „Mein Sohn wird alles erreichen, was er will.
Wenn er Tennisspieler werden will, wird er Tennisspieler werden"“.
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