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ESA-Expertin warnt vor Sonnenstürmen - „Im schlimmsten Fall droht ein globaler Blackout“

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ESA-Expertin warnt vor Sonnenstürmen - „Im schlimmsten Fall droht ein globaler Blackout“

Kein Internet. Kein GPS. Keine Kartenzahlung. Flugzeuge müssen umgeleitet werden, Satelliten geraten aus dem Takt, Stromnetze drohen zusammenzubrechen. Was wie das Szenario eines Katastrophenfilms klingt, könnte im Extremfall durch einen gewaltigen Sonnensturm ausgelöst werden. Damit genau das nicht passiert, blickt eine deutsche Wissenschaftlerin jeden Tag auf unseren Stern.

Dr. Melanie Heil überwacht für die Europäische Weltraumorganisation ESA das Weltraumwetter und arbeitet an Systemen, die Europa frühzeitig vor gefährlichen Sonneneruptionen warnen sollen. Die promovierte Physikerin begann ihre Karriere in der Teilchenphysik. Sie forschte an einem Experiment auf der I nternationalen Raumstation ISS , bevor sie sich immer stärker mit den Gefahren beschäftigte, die von der Sonne ausgehen. Heute koordiniert sie bei der ESA in Darmstadt den weltraumgestützten Teil des europäischen Weltraumwetter-Programms.

„Die Sonne ist ein faszinierender Stern, aber sie ist kein ruhiger Nachbar“, sagt Heil im Gespräch mit BILD. Gemeinsam mit internationalen Partnern beobachtet ihr Team die Sonne rund um die Uhr. Spezielle Teleskope und Satelliten verfolgen Sonnenflecken, Strahlungsausbrüche und gewaltige Plasmawolken, die ins All geschleudert werden. Treffen solche Teilchenwolken die Erde, können sie Satelliten beschädigen, Funkverbindungen stören und sogar Stromnetze belasten. „Im schlimmsten Fall droht ein globaler Blackout“, sagt Heil.

Aktuell stammen viele der entscheidenden Messdaten von Satelliten zwischen Sonne und Erde . Sie liefern Wissenschaftlern oft erst kurz vor dem Eintreffen einer Plasmawolke ein klares Bild davon, wie stark ein Ereignis tatsächlich werden könnte. „Unser Ziel ist es, möglichst früh zu erkennen, was auf die Erde zukommt“, sagt Heil. „Jede zusätzliche Stunde Vorwarnzeit kann einen großen Unterschied machen.“

Die ESA will deshalb ihre Möglichkeiten deutlich erweitern. Herzstück der Pläne ist die Mission „Vigil“. Der Satellit soll ab 2031 die Sonne aus einer seitlichen Perspektive beobachten und aktive Regionen mehrere Tage früher erkennen als bisher. „Mit Vigil bekommen wir erstmals einen Blick auf Bereiche der Sonne, die von der Erde aus noch gar nicht sichtbar sind“, erklärt Heil. Stromnetzbetreiber, Satellitenfirmen und Fluggesellschaften sollen dadurch mehr Zeit gewinnen, Schutzmaßnahmen einzuleiten. So könnten etwa Stromnetze kontrolliert heruntergefahren oder Satelliten vorübergehend in einen Schutzmodus versetzt werden.

Die Gefahr ist nicht nur theoretisch. Schon das Carrington-Ereignis von 1859 legte Telegrafennetze rund um den Globus lahm. 1989 führte ein Sonnensturm in Kanada zu einem großflächigen Stromausfall. Und erst im Mai 2024 verursachte ein extremer geomagnetischer Sturm GPS-Störungen und Probleme bei Satelliten. Ohne funktionierendes GPS wären nicht nur Navigationsgeräte betroffen. Auch Teile des Flugverkehrs, der Schifffahrt und moderner Logistiksysteme könnten erheblich beeinträchtigt werden.

Aufhalten lassen sich Sonnenstürme nicht. „Wir können keinen Schirm aufbauen wie gegen Regen“, sagt Heil zu BILD.

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