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Deutschland

Mutter nannte die „Bravo“ „Schweinskram“ - Ministerpräsident Rhein las heimlich Doktor Sommer

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Mutter nannte die „Bravo“ „Schweinskram“ - Ministerpräsident Rhein las heimlich Doktor Sommer

Wiesbaden (Hessen) – In deutschen Jugendzimmern der Achtzigerjahre hingen meist dieselben Poster: Popstars, Starschnitte, ausgeschnitten aus der „Bravo“. Bei den Rheins in Frankfurt lief das ein wenig anders. Die Mutter, Deutschlehrerin von Beruf, hielt das Heft für minderwertig, Comics kamen ihr ebenfalls nicht ins Haus. Und doch fand das Heft seinen Weg zu ihrem jüngsten Sohn – nur eben heimlich. Boris Rhein (54), heute Ministerpräsident von Hessen, gibt es freimütig zu: Er las als Jugendlicher heimlich „Bravo“.

Im BILD-Podcast „May Way“ erinnert sich Rhein mit einem Grinsen an seine Jugend. Auf die Frage, ob er „Bravo“ oder „Popcorn“ gelesen habe, überlegt er nicht lange: „Ja, also ‚Bravo‘ fand ich natürlich total interessant.“ Zu Hause allerdings war das Heft verpönt. „Ich glaube, dass meine Mutter das als Schweinskram empfunden hat“, erzählt Rhein. Die „Bravo“ sei „eher keine willkommene Zeitschrift“ gewesen, seine Mutter habe sie „als Schundliteratur oder als was auch immer empfunden“.

Gelesen hat er sie trotzdem, nur eben nicht am Küchentisch, sondern heimlich – „unterm Tisch also“, wie er es selbst beschreibt, wenn die Rede auf die legendäre Sexual-Aufklärungskolumne Doktor Sommer kommt. Popstar-Poster suchte man in seinem Jugendzimmer trotzdem vergeblich. „Ich war nie so entflammbar für irgendwelche Popgruppen“, sagt Rhein. Stattdessen hing dort ein Plakat mit sämtlichen Apollo-Mondlandungen. Der Hintergrund: Sein Kindheitstraum war die Omega Speedmaster, „die erste Uhr, die auf dem Mond war“. Diesen Wunsch erfüllte ihm später sein Vater – er schenkte ihm die Uhr zum ersten juristischen Staatsexamen.

Boris Rhein wuchs als Jüngster von drei Kindern in einer Frankfurter Siedlung im Bauhausstil auf. Seine Kindheit beschreibt er als eine Zeit der Freiheit, wie sie Kinder heute kaum noch erleben: „Auf diesem Gartenweg war der Teufel los, da waren alle Kinder, die da gewohnt haben, haben da miteinander gespielt, wir sind da unsere Go-Karts gefahren.“ Einmal schlief er beim Nachbarn unter dem Wohnzimmertisch ein und kam erst gegen 22 Uhr heim – die Familie hatte ihn bereits gesucht.

Ganz brav war Rhein in seiner Jugend nicht. „Mit etwa 14 rauchten mein Freund Florian und ich kräftig auf dem Schulhof. Dann waren da noch Schnapsfläschchen, die wir besorgt hatten. Dummerweise wurden sie später im Schulmülleimer gefunden und wir bekamen Ärger mit den Lehrern.“ Es gab einen Elternabend. Mittendrin: Frau Rhein, die sich empörte – bis klar wurde, „dass es um ihren eigenen Sohn ging. Das nahm sie mir übel.“

Zu Hause wurde jeden Abend um 19 Uhr gemeinsam gegessen, diskutiert, gestritten. „Ich glaube, dass ich schon als Kind an unserem Küchentisch irgendwie Politiker war“, sagt Rhein. „Es war immer laut. Das hat übrigens meine Frau unglaublich schockiert, als sie das erste Mal bei uns war: dass irgendwie immer Action und immer auch Theater war.“ Seine Frau Tanja hat er beim Jurastudium kennengelernt. Mit der vorsitzenden Richterin am Landgericht Frankfurt ist Rhein seit 1995 zusammen. Im Jahr 2000 heirateten sie.

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