Diskussion um Legalisierung - Wie gefährlich sind Nikotinbeutel wirklich?
Sie sind klein, bunt verpackt und schmecken nach Minze, Mango oder Beeren. Gesundheitsexperten schlagen Alarm und trotzdem werden die sogenannten ‚Pouches' besonders bei Jugendlichen immer beliebter. Ärzte und Suchtexperten warnen nun vor einer neuen Welle der Nikotinabhängigkeit, während gleichzeitig die Legalisierung gefordert wird.
Die kleinen Beutel werden zwischen Oberlippe und Zahnfleisch geklemmt. Das enthaltene Nikotin gelangt anschließend direkt über die Mundschleimhaut in den Blutkreislauf und ins Gehirn. Dort sorgt es für einen kurzfristigen Kick, steigert Wachheit und Konzentration und setzt Botenstoffe wie Dopamin frei. Genau das macht die Produkte so gefährlich: Das Suchtpotenzial ist hoch. Das zeigte bereits 2024 eine Studie des LMU Klinikums München und des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR).
Besonders kritisch sehen Experten die Auswirkungen auf die Mundgesundheit. Dr. Doris Seiz (57), Zahnärztin und Vizepräsidentin der Bundeszahnärztekammer, sagt: „Es fehlen noch Langzeitstudien, aber es ist viel zu gefährlich, darauf zu warten: Die Nikotinbeutel klemmen immer an der gleichen Stelle im Mund, wo eine dauerhafte mechanische und chemische Reizung entsteht. Das führt zu Mundschleimhautveränderungen, die wiederum Krebsvorstufen und schließlich Mundhöhlenkarzinome auslösen können.“
Neben dem Krebsrisiko entstehen auch direkte Probleme im Mund: „Die Nikotinbeutel verändern den pH-Wert im Mund, die Gefäße verengen sich, der Speichelfluss wird verringert und Entzündungen im Zahnfleisch entstehen“, sagt die Zahnmedizinerin. Die Folge: Das Zahnfleisch zieht sich zurück, im schlimmsten Fall lockern sich sogar die Zähne.
Hinzu kommt: Manche Beutel enthalten deutlich mehr Nikotin als eine Zigarette. Nach Angaben der DAK liegt der durchschnittliche Nikotingehalt bei etwa zehn Milligramm pro Beutel, einzelne Produkte kommen sogar auf bis zu 47,5 Milligramm und damit auf ein Vielfaches einer Zigarette . Das erhöht das Suchtrisiko deutlich. Besonders unter Jugendlichen sind die Pouches verbreitet, um Müdigkeit zu bekämpfen oder die Konzentration zu steigern. Weil sie weder Rauch noch Geruch erzeugen, können sie unauffällig in der Schule, beim Sport oder zu Hause konsumiert werden.
Gesundheitlich drohen weitere Risiken. Nikotin erhöht Herzfrequenz und Blutdruck und kann das Gefäß- und Nervensystem schädigen. Die Krankenkasse DAK warnt zudem vor Vergiftungserscheinungen wie Übelkeit, Schwindel oder Ohnmacht bei übermäßigem Konsum. Für Kinder kann das Verschlucken eines Beutels lebensgefährlich werden.
Während die Tabakbranche eine Legalisierung fordert und auf mögliche Steuereinnahmen verweist, warnen Ärzte, Zahnmediziner und Gesundheitspolitiker vor den Folgen. Ihre Sorge: Die bunten Nikotinbeutel könnten für viele Jugendliche zur Einstiegsdroge werden und eine neue Generation nikotinabhängiger junger Menschen schaffen.
Das bestätigt Dr. Doris Seiz: „Wird die Droge legalisiert, ist sie frei verfügbar und wird mit Werbung versehen – das führt noch mehr dazu, dass Jugendliche die Pouches konsumieren. Wir sind klar gegen die Legalisierung und fordern außerdem, dass das Verbot stärker umgesetzt wird und z.B.
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