Ausbildung: Azubis nennen psychische Belastung als Hauptgrund für Abbruch
Ob Auszubildende ihre Ausbildung auch wirklich abschließen, hängt unter anderem mit ihrem psychischen Wohlbefinden zusammen. Das zeigt eine Befragung der Bertelsmann Stiftung und des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) unter 929 Auszubildenden. Demnach gaben 20 Prozent der Befragten an, sich durch ihre Ausbildung fast immer oder häufig emotional belastet zu fühlen. Frauen fühlten sich deutlich häufiger als Männer psychisch belastet. Jeder siebte Auszubildende attestiert sich sogar ein besorgniserregend schlechtes Wohlbefinden.
Den Auftraggebern der Studie zufolge könnte dies einen Einfluss darauf haben, ob Auszubildende ihre Ausbildung abschließen: Demnach denken fast drei Viertel (74 Prozent) der Auszubildenden mit stark eingeschränktem Wohlbefinden darüber nach, ihre Ausbildung abzubrechen. Bei jungen Menschen mit stabilem Wohlbefinden sind es lediglich 12 Prozent. Die Auszubildenden, die bereits eine Ausbildung abgebrochen oder darüber nachgedacht haben, nennen am häufigsten als Grund dafür psychische Belastungen. Die Onlinebefragung richtete sich an 15- bis 25-Jährige, die eine duale Ausbildung absolvieren.
Ähnlich sieht das bei einer Befragung der Jugendorganisation des Deutschen Gewerkschaftsbunds ( DGB ) aus, die bereits Ende August veröffentlicht wurde. Hier fielen die Ergebnisse noch deutlicher aus: Demnach fühlt sich jeder zweite der etwa 13.000 befragten jungen Menschen in Ausbildung psychisch belastet. Gründe dafür seien Leistungs-, Zeit- und Verantwortungsdruck sowie Personalmangel im Ausbildungsbetrieb. Hinzu kämen auch private Aspekte: Knapp die Hälfte der Befragten sieht sich durch die eigene finanzielle Situation belastet, bei 35 Prozent ist es die Wohnsituation. 65,3 Prozent gaben an, sie könnten von ihrer Vergütung weniger gut oder gar nicht selbstständig leben.
Auch den Blick der Unternehmen auf das Thema Ausbildung haben die Bertelsmann Stiftung und das IW ausgewertet. Als Grundlage dienten die Daten der Befragung des IW-Personalpanels aus dem Frühjahr 2026 unter knapp 1200 Unternehmen. 62 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass die Produktivität ihrer Auszubildenden aufgrund psychischer Belastungen beeinträchtigt sei. Mit einem Ausbildungsabbruch, so schreiben die Autor:innen, steige auch das Risiko langfristig ohne Berufsabschluss zu bleiben. In Deutschland haben nach Angaben des Statistischen Bundesamtes zehn Prozent der Menschen zwischen 20 und 24 Jahren weder einen Job noch befinden sie sich auf einem Ausbildungsweg.
Für die Unternehmen gehen Nachwuchskräfte und bereits investierte Ressourcen verloren – im Schnitt schätzungsweise rund 20.000 Euro je Ausbildungsabbruch, heißt es in der Mitteilung.
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