Er gewann über 500.000 Euro - tabseN zockt hauptberuflich 13 Stunden am Tag
Paris (Frankreich) – Wer an einen Profi-Gamer denkt, hat oft dasselbe Bild im Kopf: lange Nächte vor dem Rechner, ein paar Runden zocken, dazu Pizza und Cola. Johannes „tabseN“ Wodarz (31) kennt dieses Klischee. Und er widerlegt es jeden Tag. Der Kapitän des Berliner Counter-Strike-Teams BIG gehört zu den erfolgreichsten E-Sportlern Deutschlands, gewann in seiner Karriere bereits mehr als 500.000 Euro Preisgeld. Der Preis dafür: ein Arbeitspensum, bei dem viele Vollzeitkräfte ins Schwitzen kommen dürften.
BILD traf das deutsche E-Sport-Urgestein beim Esports World Cup in Paris . Dort sprach tabseN darüber, was wirklich hinter seinem Beruf steckt. Die erste Überraschung: Sein Team trainiert jeden Tag acht Stunden. Die zweite Überraschung: Das reicht noch lange nicht.
Von 10 bis 18 Uhr stehen Taktik-Besprechungen, Analysen, Trainingsspiele gegen andere Teams und individuelles Training auf dem Programm. Wer jetzt an Feierabend denkt, liegt daneben. Denn genau dann beginnt für tabseN oft die nächste Schicht. „Ich persönlich spiele meistens dann auch schon vier bis fünf Stunden danach noch. Ich bin auch nicht mehr der Jüngste, deswegen muss ich da ein bisschen mithalten mit den anderen“, erzählt er. Macht an vielen Tagen rund 13 Stunden Counter-Strike.
Was für viele nach Belastung klingt, empfindet er selbst völlig anders. „Man hat ein Hobby zum Beruf gemacht. Ich mache das zum Leben. Das ist für mich einfach ein Segen.“ Schon als Jugendlicher investierte er mehr Zeit in Counter-Strike als seine Freunde. Anfang der 2010er bekam er seinen ersten Profi-Vertrag. Zum ersten Mal merkte er damals, dass aus seiner Leidenschaft tatsächlich ein Beruf werden kann.
Der Weg an die Spitze verlief allerdings nicht ohne Opfer. Während andere Freunde treffen oder Familienfeste besuchen, sitzt tabseN oft noch im Training. „Man verpasst vielleicht gewisse Familienfeiern, man verpasst vielleicht gewisse Real-Life-Aktivitäten“, sagt er. Für viele Außenstehende sei das schwer nachzuvollziehen. Für ihn nicht. „Das ist mein Leben.“
Genau deshalb stören ihn auch die Vorurteile, die viele Menschen noch immer mit E-Sport verbinden. Wer bei Profi-Gamern nur ans Zocken denkt, übersehe einen großen Teil der Realität. „Da steckt Reisen dahinter, da steckt ein komplettes Team dahinter, da stecken Sportpsychologen dahinter, Fitness steckt dahinter und natürlich auch die mentale Stärke.“ Für tabseN ist Counter-Strike deshalb längst mehr als ein Spiel, und als Profi macht er noch immer das, was ihn an die Spitze gebracht hat: weitermachen, wenn andere längst Feierabend haben.
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