„Ihr habt doch genug Geld!“ - Wenn erwachsene Kinder Ihr Nein nicht akzeptieren
„Ihr habt doch genug Geld, wieso helft ihr mir nicht?“ – Sätze wie diese treffen Eltern direkt ins Herz, auch wenn die Kinder gar nicht mehr klein sind, sondern schon seit Jahren als erwachsene Menschen im Leben stehen. Zumindest in der Theorie. Denn wenn der Nachwuchs in Schwierigkeiten steckt, fühlen sich viele Mütter und Väter sofort verantwortlich. Und lassen sich mit Schuldzuweisungen dieser Art in die Enge treiben.
Der US- Psychologe Jeffrey Bernstein coacht Eltern in genau dieser Misslage. In einem von ihm verfassten Essay bei „Psychology Today“ schreibt der Experte: „Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn Eltern ihre erwachsenen Kinder emotional oder finanziell unterstützen. Aber wenn Eltern Nein sagen und ihr erwachsenes Kind mit manipulativen oder schuldzuweisenden Reaktionen antwortet, wird es problematisch. Sie wollen sie zu einem Einlenken bewegen. Und damit meine ich, aus einem Nein doch noch ein Ja zu machen, obwohl die Eltern innerlich spüren, dass sie damit lediglich eine ungesunde Abhängigkeit verstärken.“
Laut dem Psychologen sollte die entscheidende Frage stets lauten: Hilft diese Unterstützung Ihrem Kind wirklich? Oder führt sie dazu, dass es sich abhängig fühlt oder Unterstützung irgendwann als selbstverständlich betrachtet, statt dankbar dafür zu sein?
Wie verhält man sich als Eltern also in einer solchen Streitsituation? Nachfolgend finden Sie vier typische Reaktionen erwachsener Kinder und mögliche Antworten durch Eltern, die ruhig und klar Grenzen feststellen.
Der Nachwuchs bittet um Geld . Sie haben aber erst kürzlich Ihre Geldbörse geöffnet und verwehren die Extra-Finanzspritze. Daraufhin kommt ein Spruch in der Art: „Du behauptest, du liebst mich, aber offensichtlich tust du das nicht. Sonst würdest du mir helfen.“
Mögliche Antwort: „Ich liebe dich von ganzem Herzen. Aber hier geht es nicht um Liebe. Es geht darum, was dir meine Hilfe kurz- und langfristig wirklich bringt.“
Im Alter kann man endlich die Früchte der jahrzehntelangen Arbeit genießen. Blöd nur, wenn der Nachwuchs mit Nachrichten wie diesen um die Ecke kommt: „Ihr könnt euch alles leisten, während ich kaum über die Runden komme und in einem schrecklichen Job feststecke.“
Mögliche Antwort: „Wie viel Geld wir auf dem Konto haben und welche finanzielle Unterstützung wir für dich leisten möchten, sind zwei verschiedene Dinge. Wir sprechen gerne mit dir darüber, wie wir dich auf andere Weise unterstützen können, während du Schritte unternimmst, deine berufliche Situation zu verbessern.“
Die Drohung des Liebesentzugs fühlt sich an wie ein Schlag in die Magengrube. Solche Sätze lösen oft große Angst aus. Doch gerade dann gilt es, sich nicht in die Ecke drängen zu lassen.
Mögliche Antwort: „Ich werde dich vermissen, und ich verstehe, dass du etwas Abstand benötigst. Ich habe dich trotzdem lieb, und meine Entscheidung bleibt dieselbe.“
Der Klassiker: Man wird mit anderen Familien verglichen, bei denen es vermeintlich besser läuft, und dadurch beschämt.
Mögliche Antwort: „Ich kann nicht für andere Familien sprechen.
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