Lebensgefühl Wochenmarkt - Auf dem Markt fühlt sich Deutschland wie früher an
Der Duft von warmem Brot liegt in der Luft. Daneben stapeln sich würzige Käselaiber, frische Erdbeeren und Kräuter. Zwischen den Gemüse-Ständen und Kleiderstangen preisen Händler ihre Waren laut an. Stammkunden, die hier mit Namen begrüßt werden, bleiben für einen Plausch stehen. Obst und Gemüse werden in die Hand genommen und begutachtet. Hier wird gehandelt, gelacht und über das Wetter gesprochen.
Der Wochenmarkt ist ein Stück Kindheit und ein Lebensgefühl, das heute noch junge und alte Generationen verbindet. Hier fühlt sich Deutschland noch wie früher an. BILD hat sich im Land umgesehen.
Im Westen Deutschlands erwacht seit mehr als 120 Jahren im Morgengrauen auf dem Wilhelmplatz in Köln-Nippes der größte Wochenmarkt der Domstadt. An sechs Tagen in der Woche klappern Kisten, klimpern Münzen und schallt aus allen Ecken ein freundliches „Bitteschön“.
Der Kölner Klaus Langen (74) genießt das Markt-Flair im Hochsommer. In seiner Tüte hat er für zwei Schälchen Physalis, nur zwei Euro bezahlt: „Das ist besser, als durch den dunklen Supermarkt zu laufen.“
Für Marion Ippen (61) fühlt sich der Markt „ein bisschen so an, als wäre man im Urlaub“. Sie hat mehrere Tüten Gemüse eingekauft, nur ein paar Euro dafür bezahlt. „Ich gehe auch zum Discounter“, sagt sie, „aber manche Produkte sind hier günstiger zu bekommen“.
Auch ganz im Norden hat der Wochenmarkt mit seinem heiteren Lebensgefühl seinen festen Platz. Seit mehr als 320 Jahren wird auf dem Hamburger Fischmarkt nicht nur Fisch verkauft. Auch Obst, Gemüse, Wurst, Käse und Backwaren sind dort zu haben. Im Sommer kommen bis zu 50.000 Einheimische und Touristen an einem einzigen Sonntag.
Aale-Dieter (87), bürgerlich Dieter Bruhn, verkauft seinen Fisch seit fast 70 Jahren und sieht sein Geschäft noch immer positiv: „Wenn es mir weiterhin so geht, wie jetzt, mache ich das noch bis ich 100 bin.“
„Der Schokoladenkönig“ Ramon Akyörük (40) verkauft in Hamburg seine Süßigkeitentüten zu Festpreisen auf dem Fischmarkt: „Mir macht das Spaß.“ Dann lockt er mit seinen markigen Sprüchen wie, „Jetzt alles doppelt, jetzt alles doppelt“ weitere Besucher an seinen Stand.
Ob im hohen Norden oder in der Hauptstadt: Der Wochenmarkt ist ein Ausflugsziel für die ganze Familie geworden. Auf Berlins Winterfeldtmarkt bieten jeden Samstag und Mittwoch 250 Händler Blumen, Obst vom Bio-Hof, gegrillte Fische oder selbstgestrickte Hausschuhe an,
„Hier ist der Hotspot des Viertels“, sagt Obst- und Gemüseverkäuferin Heidi Weckwerth (75), die seit 30 Jahren am Obst- und Gemüsestand „Krüger“ steht. Die Verkäuferin: „Für viele ist der Wochenmarkt Luxus geworden. Aber unser Obst und Gemüse, der Honig – alles beste Qualität und frisch. Das schätzen die Kunden.“
Besucher genießen die familiäre Atmosphäre. Der ehemalige Rechtspfleger Norbert (71) und der ehemalige Florist Rainer (81) wohnen in Hamburg, und kommen einmal im Monat her. „Wir haben aber eine Wohnung in Schöneberg. Seit der Wende genießen wir den Samstag auf dem Markt“, schwärmt Norbert. „Das gönnen wir uns und wir treffen hier Freunde.“
Jaspa (52) aus Kamerun kocht in seinem Food-Truck Köstlichkeiten auf dem Winterfeldmarkt.
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