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Adolf Hitler: Neuer Aktenfund erschüttert Alibi beim Tod seiner Nichte

Der Spiegel ·
Adolf Hitler: Neuer Aktenfund erschüttert Alibi beim Tod seiner Nichte

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Es ist ein Todesfall, um den sich bis heute Legenden ranken. Im September 1931 wurde Geli Raubal, die Nichte Adolf Hitlers, in dessen Münchner Wohnung am Prinzregentenplatz tot aufgefunden.

Nach der offiziellen Darstellung verschaffte sich Georg Winter, Hausverwalter und Diener Hitlers, am Morgen des 19. September Zugang zu Raubals von innen verschlossenem Zimmer. Dort lag die 23-Jährige tot auf dem Boden. Hitler, so die überlieferte Chronologie, hatte München bereits am Nachmittag zuvor in Richtung Nürnberg verlassen.

Bislang unbekannte Dokumente, die dem SPIEGEL vorliegen, stellen die bis heute verbreitete Darstellung nun infrage. Gefunden hat sie der Geschichtsforscher Harald Sandner im Staatsarchiv und im Stadtarchiv in München. Zwei Todesanzeigen und der Eintrag im Sterberegister des Standesamts München II datieren die Entdeckung der Leiche Geli Raubals auf Freitag, den 18. September 1931, um 10.15 Uhr.

Demnach wäre Raubal rund 24 Stunden früher aufgefunden worden. Hitler hätte für den Vormittag des 18. September kein Alibi mehr.

Zu diesem Zeitpunkt hielt sich der NSDAP-Chef nach den von Sandner rekonstruierten Abläufen noch in München auf. Er nahm offenbar zwischen 10.30 und 12.30 Uhr an einer Parteiveranstaltung teil und befand sich anschließend weiter in der Stadt. Erst am Nachmittag fuhr er nach Nürnberg.

Hitler und wir – Das taten unsere Vorfahren in der Nazizeit – wie man Familienlegenden enttarnt

Als das »Dritte Reich« im Frühjahr 1945 zusammenbrach, gehörten knapp neun Millionen Deutsche der NSDAP an. SPIEGEL GESCHICHTE erzählt, warum so viele Menschen aus fast allen Milieus in Hitlers Partei eintraten – und bietet Ratschläge und Hilfestellungen, um Familienlegenden aus der Nazizeit aufzudecken.

Im September 1931 befand sich Hitler auf dem Weg zur Macht . Bei der Reichstagswahl im Jahr zuvor war seine Partei zweitstärkste Kraft geworden. »Die NSDAP galt damals bereits als aufstrebende Partei«, sagt der Historiker Thomas Weber. »Hitler versuchte, sich gegenüber der deutschen Bevölkerung und dem Ausland als Verkörperung aller Tugenden und Werte darzustellen.« Der Verdacht, er könne in den Tod seiner Nichte verwickelt sein, bedrohte dieses Image.

Das genaue Verhältnis zwischen Hitler und seiner Nichte – Tochter seiner Halbschwester Angela Raubal – blieb schon Zeitgenossen rätselhaft, manche vermuteten eine Liebesbeziehung. Raubal studierte in München seit 1927 Medizin, bald begann sie stattdessen eine Gesangsausbildung, die Hitler finanzierte. Er kontrollierte Raubals Alltag offenbar stark. Später wurde berichtet, es sei zu Auseinandersetzungen gekommen, weil Raubal nach Wien habe gehen wollen, um dort ihre Gesangsausbildung fortzusetzen. Dem Polizeibericht zufolge erklärte Hitler den Ermittlern, er habe Raubals geplante Wienreise nur unter der Voraussetzung akzeptieren wollen, dass ihre Mutter sie begleite.

Nach der etablierten Erzählung kam es am 18. September zu einem Streit zwischen Hitler und Raubal über ihre Reisepläne.

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