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"Die Kilowattstunde wird teurer": Windradhersteller hält Reiches Energiegesetze für "bestenfalls tollpatschig"

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"Die Kilowattstunde wird teurer": Windradhersteller hält Reiches Energiegesetze für "bestenfalls tollpatschig"

Die deutsche Windkraft erlebt einen erstaunlichen Aufschwung. Nach Jahren der Flaute boomt der Ausbau. Deutschland sei ein Vorbild für andere Länder geworden, sagt Jens Kück vom dänischen Windradhersteller Vestas im Interview. "Und das alles mit einer europäischen Wertschöpfungskette. Es fließt viel Geld nach Deutschland." Doch ausgerechnet jetzt sorgen die Energiepläne von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche für Unruhe in der Branche. Speziell die geplante Begrenzung der Einspeiseleistung weckt böse Erinnerungen an frühere politische Fehlgriffe. Ohne Änderung werden einige Projekte auf der Strecke bleiben, warnt der Vestas-Manager im Podcast "Das Klima-Labor von ntv". Die Kosten für Windstrom werden sich ihm zufolge erhöhen. Kück sagt aber auch: "Es gibt keinen Grund für Schwarzmalerei."

ntv.de: Wie läuft das Windgeschäft? Der Eindruck ist: Es boomt. Nach einer langjährigen Flaute werden wieder mehr Windräder gebaut.

Jens Kück: Das stimmt, es läuft sehr gut. Die deutsche Windenergiebranche hat sich in den vergangenen sechs Jahren stark zum Positiven verändert. Mit Beginn des Ukraine-Krieges gab es einen Aufwach-Moment. Anschließend wurde viel getan , um Genehmigungsverfahren für Windprojekte zu beschleunigen. Die sind inzwischen kein Flaschenhals mehr. Das war vor sieben bis zehn Jahren anders.

Der deutsche Windausbau lag bis vor zehn Jahren im Plan, dann gab es einen Einbruch .

Das war die Altmaier-Delle. 2017 wurde im Erneuerbare-Energien-Gesetz ein Auktionsverfahren für Windprojekte eingeführt. Das hat extrem viel Unsicherheit verursacht. Das Vertrauen von Planern und Entwicklern brach ein.

Ja. Wenn man einen Windpark entwickelt, startet man mit der Flächensicherung. Man spricht mit Kommunen und Grundstückseigentümern und holt Gutachten ein. Bis zur Genehmigung für die Anlagen vergingen damals zwei bis fünf Jahre - je nachdem, wie viel Interesse die Mitarbeiter der Genehmigungsbehörden an den Projekten hatten. Dieses Verfahren wurden standardisiert und digitalisiert. Das war eine Vorgabe des Wirtschaftsministeriums unter Robert Habeck. Teilweise wurden die Abläufe auch umgekehrt. Inzwischen gilt ein Antrag als geprüft und angenommen, wenn er nicht binnen drei Monaten bearbeitet wird. Es wurden auch mehr Flächen für Windprojekte zur Verfügung gestellt. Deshalb sehen wir einen massiven Anstieg bei erteilten Genehmigungen.

Wir sprechen am Rande eines Investoren-Tags. Unterhält man sich mit professionellen Anlegern und Vermögensverwaltern, sagen fast alle: Lass die Finger von der Windenergie. Die Branche ist zu abhängig von politischen Richtungswechseln.

Die Entwickler werden wegen der aktuellen Pläne für das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und für das Netzpaket wieder vorsichtiger. Im ersten Halbjahr gab es einen Einbruch bei den Neuplanungen. Nichtsdestotrotz ist Deutschland ein Paradebeispiel für den Ausbau von Windenergie an Land.

Wir sind ein Land mit einer kleinen Meckerkultur. Nach der Altmaier-Delle wurde zwischenzeitlich maximal ein Gigawatt an neuen Windenergieanlagen im Jahr zugebaut. Nächstes oder übernächstes Jahr werden es mehr als zehn Gigawatt sein. Das ist Wahnsinn.

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