Trauer und Erinnerung an Gleis 1 - Gedenktafel für getöteten Zugbegleiter Serkan
Mannheim – Zugbegleiter Serkan Çalar (36) wurde am 2. Februar im Regionalexpress von Kaiserslautern nach Homburg im Zug totgeprügelt, der Grieche Ioanni V. (26) wurde zu 10 Jahren wegen Körperverletzung mit Todesfolge am Landgericht Zweibrücken verurteilt. Am Freitag hat die Deutsche Bahn eine Gedenktafel am Hauptbahnhof Mannheim an Gleis 1 aufgehängt.
Serkans Brüder zu BILD: „Wir können einen Menschen nicht zurückholen. Aber wir können seinen Namen bewahren, seine Geschichte weitererzählen und die Liebe zu ihm weitertragen.“ Die Familie leidet auch heute noch unter dem Vorfall, muss jeden Tag daran denken: „ Unsere größte Aufgabe ist es, Serkans Kinder so gut wie möglich großzuziehen.“
Auf der Gedenktafel prangt in großen Buchstaben der Name des Schaffners – ein Name, der mahnen soll: „SERKAN ÇALAR – Im Dienst für die Deutsche Bahn verlor er am 4. Februar 2026 im Alter von 36 Jahren infolge eines tätlichen Angriffs sein Leben. Mit großem Engagement war er für Reisende sowie Kolleginnen und Kollegen da. Wir erinnern in Dankbarkeit und Respekt an ihn. Sein Tod mahnt uns zu Rücksichtnahme und einem respektvollen Miteinander.“
Anwalt Yalçın Tekinoğlu hat Serkans Familie während des Prozesses vertreten, sagt zu BILD: „Die Tat soll nicht ungesühnt bleiben. Es ist uns ein wichtiges Anliegen gewesen, dass die Gedenktafel nicht nur Serkan gewidmet wird, sondern allen Bediensteten im öffentlichen Dienst, die jeden Tag Gewalt erleben. Diese Gewalt muss aufhören.“ An der Gedenkfeier am Freitag nahmen die Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Evelyn Palla (53), und der Bundesverkehrsminister mit vier weiteren Landesverkehrsministern teil.
Im Februar kam es zu der tödlichen Attacke. Im Regionalexpress von Kaiserslautern nach Homburg zeichneten Überwachungskameras im Zug auf, wie Schaffner Serkan den Griechen Ioanni V. am Arm berührt, um sein Ticket zu kontrollieren. V. hatte kein Ticket, wurde aggressiv. Der 26-Jährige haut auf den Tisch vor sich, ruft „Don’t touch me, don’t touch me“. Dann holt er aus, schlägt gezielt auf den Kopf des Zugbegleiters ein. Serkan bricht bewusstlos zusammen. Er stirbt im Krankenhaus an einer Hirnblutung, hinterlässt zwei Söhne.
Anwalt Tekinoğlu am Freitag: „Mich erreichen ständig Hilferufe von anderen Bediensteten der Bahn, die anwaltliche Hilfe suchen.“
Serkans Vater und Brüder haben den Verlust nicht überwunden: „Diese Gedenktafel erinnert an unseren Serkan – und gleichzeitig an etwas, das uns alle verbindet: Jeder Mensch ist wertvoll. Jeder Mensch verdient Respekt. Kein Mensch sollte vergessen werden.“
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