Autorin bereut bis heute - Warum ich nie wieder einen Bungee-Sprung machen würde
TRAVELBOOK -Autorin Lena Braun (gehört ebenfalls zu Axel Springer) wollte den ultimativen Adrenalinkick erleben und sprang in Soweto aus 100 Metern Höhe am Bungee-Seil in die Tiefe. Der Sprung dauerte nur wenige Sekunden. Die Folgen begleiten sie bis heute: Seitdem kämpft sie mit einer Höhenangst, die sie vorher nie hatte.
Mit 16 Jahren machte ich einen Schüleraustausch in Johannesburg und lebte in Soweto. Für meinen Geburtstag fuhren wir zu den berühmten Orlando Towers. Die bunt bemalten Kühltürme gelten als Wahrzeichen des Townships und sind vor allem für ihren Bungee-Sprung bekannt. Damals hielt ich das für eine großartige Idee.
Mit Helm und Gurt ging es in einem offenen Aufzug außen am Turm nach oben. Das Gefährt ratterte Meter für Meter in die Höhe. Ich dachte nur noch daran, dass hier vermutlich nichts TÜV-geprüft ist.
Je höher wir kamen, desto schlechter wurde mir. Der Wind war stark, alles wackelte, mein ganzer Körper zitterte. Oben standen wir etwa auf Höhe eines 30-stöckigen Hochhauses. Über eine Hängebrücke ging es zur Absprungkante. Als mir das Seil an den Beinen befestigt wurde, traf mich die Erkenntnis mit voller Wucht: Ich würde kopfüber ins Nichts fallen.
Dreimal wurde heruntergezählt. Dreimal blieb ich stehen. 100 Meter in die Tiefe zu schauen und freiwillig zu springen widerspricht jedem Überlebensinstinkt. Am Ende mussten mich die Mitarbeiter schubsen.
Was dann folgte, hatte nichts mit dem Freiheitsgefühl aus Werbevideos zu tun. Ich schrie nicht, ich jubelte nicht, konnte nicht atmen. Während der wenigen Sekunden im freien Fall war mein Kopf komplett leer. An ein Gefühl erinnere ich mich bis heute ganz genau: Todesangst.
Erst als das Seil mich auffing, kam langsam Erleichterung. Das schönste Erlebnis des Tages war nicht der Sprung selbst, sondern der Moment, als ich wieder festen Boden unter den Füßen hatte.
Leider brachte ich neben dem Zertifikat noch etwas anderes mit nach Hause: Höhenangst. Vor dem Sprung hatte ich nie Probleme mit großen Höhen. Heute reicht oft schon der Blick von einem Balkon oder einer Aussichtsplattform. Dann sind die Gefühle von damals sofort wieder da: flauer Magen, Schwindel und Herzrasen.
Natürlich kann ich nicht beweisen, dass der Bungee-Sprung der Auslöser war. Der zeitliche Zusammenhang ist für mich aber schwer zu übersehen. Die Symptome begannen erst nach diesem Erlebnis und begleiten mich bis heute.
Deshalb steht für mich fest: Einen weiteren Bungee-Sprung wird es niemals geben. Manche Menschen werden nach solchen Adrenalinkicks regelrecht süchtig. Bei mir war das Gegenteil der Fall. Abstürze brauche ich nach dieser Erfahrung nie wieder.
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