News: Alt-Nazis beim frühen SPIEGEL, Scheinwahl in Russland, KI-Forscher warnt vor Drittem Weltkrieg
Selten hat ein Thema unsere Leserschaft so intensiv interessiert wie die Frage, ob und wie die eigenen Vorfahren mit dem nationalsozialistischen Regime verstrickt gewesen sind. Seit Monaten steht unsere Nazi-Datenbank auf der SPIEGEL-Homepage ( hier geht es zur Suchfunktion). Da liegt es nahe, auch einmal genauer in der Vergangenheit der SPIEGEL-Redaktion nachzuforschen. Meine Kollegen Martin Doerry und Hauke Janssen tun das in ihrer neuen Augstein-Biografie. Ihr Buch erscheint nächste Woche, bei uns sind jetzt schon Auszüge zu lesen.
Ihre Recherchen sind nicht schmeichelhaft für den SPIEGEL. Es war zwar schon bekannt, dass in den ersten Jahren auch Alt-Nazis für unser Magazin gearbeitet haben. Aber die Menge der Mitarbeiter aus der Anfangszeit, die vorher Mitglieder der NSDAP waren, die in Propagandakompanien gearbeitet haben und die teilweise auch in der SS und der Waffen-SS gewesen sind, hat mich doch überrascht. Mit Befremden habe ich in der Geschichte meiner Kollegen lesen müssen, dass im SPIEGEL damals auch eindeutig antisemitische Texte erscheinen konnten. Und dass unser Herausgeber Rudolf Augstein offenbar lange nichts dagegen hatte: Er hat viele der Alt-Nazis eingestellt.
»Augstein verhielt sich im Umgang mit dem nationalsozialistischen Erbe nie konsequent«, schreiben die Kollegen. Einerseits holte er NS-Belastete in die Redaktion, weil er sich von ihnen Expertenwissen erhoffte. Andererseits kritisierte der SPIEGEL immer wieder Parteien, Regierungen und Behörden, die alte Nazis in ihre Ämter und Posten zurückkehren ließen.
Ich bin Martin Doerry und Hauke Janssen dankbar für ihre Recherche. Denn als SPIEGEL-Redaktion sind wir der Wahrheit verpflichtet. Und dazu gehört auch die Wahrheit über die Vergangenheit des SPIEGEL.
Wenn hier von Russland im Zusammenhang mit Wahlen die Rede ist, dann geht es meistens um die verdeckten Versuche russischer Geheimdienste, mit Fake News und Social-Media-Kampagnen die demokratischen Prozesse bei uns zugunsten Putin-freundlicher Parteien zu beeinflussen (mehr dazu hier ).
Heute ist es mal anders, denn ab heute und bis einschließlich Sonntag wird in Russland über die neue Staatsduma abgestimmt. Da braucht es für ein Putin-freundliches Ergebnis gar keine klandestinen Operationen, das läuft ganz offen, und von einer Demokratie kann auch keine Rede sein: Nachdem die Anti-Kriegspartei Jabloko ausgeschlossen worden ist, können die Menschen – Wahlberechtigte kann man sie ja kaum noch nennen – ausschließlich Parteien ankreuzen, die auf der Linie des Kreml liegen.
Der Vize-Vorsitzende von Jabloko ist derweil für Kritik am Angriffskrieg zu elf Jahren und einem Monat in einer Strafkolonie verurteilt worden. Die jetzt zur Wahl stehenden Parteien nennen den Überfall stattdessen selbstverständlich wie vorgeschrieben »spezielle Militäroperation«. Und gewinnen wird diese sogenannte Parlamentswahl wie vorgesehen wieder einmal die Putin-Partei »Einiges Russland«.
5News hat diese Zusammenfassung aus dem öffentlichen Feed der Quelle übernommen. Der vollständige Artikel mit allen Details steht auf www.spiegel.de — der Inhalt gehört Der Spiegel Politik.