US-Präsident Thomas Jefferson zeugte Kinder mit seiner Sklavin
»Sie wissen, dass niemand leidenschaftlicher als ich die Abschaffung nicht nur des Sklavenhandels, sondern auch der Sklaverei selbst wünscht«, schrieb Thomas Jefferson 1788 in einem Brief. Was den berühmten Verfasser der Unabhängigkeitserklärung und dritten US-Präsidenten jedoch nicht davon abhielt, im Laufe seines Lebens zahlreiche Sklaven zu besitzen. Eine von ihnen war Sally Hemings.
Sie soll »fast weiß« und »sehr hübsch« gewesen sein, »mit langen glatten Haaren, die ihr über den Rücken fielen«, so ein Zeitgenosse. Jefferson verliebte sich in Sally Hemings, soweit so bekannt. Auch dass er mit der rund 30 Jahre jüngeren Frau Kinder gezeugt haben soll, ist kein Geheimnis. Gegner Jeffersons erhoben diese Anschuldigung bereits während seiner ersten Amtszeit als US-Präsident.
Die etablierte (weiße) Historikerzunft hatte den Vorwurf lange zurückgewiesen – nun ist eines der ältesten und umstrittensten Rätsel der US-Geschichte wohl definitiv gelöst: Wie die US-Medien » The Atlantic « und »New York Times« berichteten, haben Forscher des US-Instituts Smithsonian den genetischen Beweis dafür erbracht, dass Jefferson mehrere Kinder mit Hemings zeugte.
15 Jahre lang dauerte die Untersuchung, bei der die Wissenschaftler DNA aus Jeffersons Haaren mit Proben von Nachfahren verglich. Die neuen Daten stützen eine Überlieferung, die Nachfahren der Hemings-Familie seit Generationen vertreten, die aber von Teilen der Jefferson-Familie lange bestritten wurde.
Genetiker, Genealogen, Historikern und Anthropologen waren an der Studie beteiligt, die Ergebnisse werden in dem Buch »History by a Hair« erörtert, vorgestellt wird es am Dienstag von Projektleiter Richard Kurin. Die Untersuchung trage dazu bei, »eine Frage zu klären, die uns seit der Gründung unserer Nation gespalten hat«, zitiert die »New York Times« Kurin.
Thomas Jefferson verurteilte die Sklaverei in seinen Schriften wiederholt als moralisches Übel und befürwortete ihre schrittweise Abschaffung. Er schrieb, dass alle Menschen »gleich erschaffen« seien und »unveräußerliche Rechte« wie »Leben, Freiheit und das Streben nach Glückseligkeit« genössen.
Jefferson prangerte »verabscheuungswürdigen Sklavenhandel« an, der das »Recht auf Leben und Freiheit« verletze – gleichzeitig profitierte der US-Gründervater als Sklavenhalter von der Ausbeutung unfreier Menschen.
Sally Hemings, geboren um 1773 in Charlottesville, Virginia, war ursprünglich eine Sklavin von Jeffersons Ehefrau Martha Wayles. 1787 begleitete die damals 14-jährige Hemings Jeffersons Tochter Maria (»Polly«) nach Paris. Das Mädchen sollte bei seinem Vater wohnen, der damals als US-Gesandter und Botschafter in Paris lebte. Laut Historikern begann Jefferson in Paris eine sexuelle Beziehung zu der 14-jährigen Sklavin.
Sally Hemings hatte mindestens sechs Kinder, vier überlebten bis ins Erwachsenenalter: Beverly, Harriet, Madison und ihr jüngster Sohn, Eston. Bereits in den Neunzigerjahren wurden DNA-Analysen durchgeführt, um die Frage gemeinsamer Kinder zu klären. Dieser Studie zufolge trug ein männlicher Nachfahre von Eston Hemings dieselbe seltene Y-Chromosomen-Signatur wie die männliche Jefferson-Linie.
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