Planetary Health Check: Patientin Erde ist schwer angeschlagen
Planetary Health Check Patientin Erde ist schwer angeschlagen Stand: 21.09.2026 • 17:09 Uhr
Wie geht es dem Planeten Erde? Schwindende Artenvielfalt, versauerte Meere und ausgelaugte Böden machen ihm zu schaffen. Laut dem aktuellen Planetary Health Check ist die Lage kritisch - aber nicht aussichtslos.
Der Planetary Health Check ist so etwas wie ein jährlicher Gesundheitscheck für unseren Heimatplaneten. Forschende des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) prüfen dazu zentrale "Vitalwerte" der Erde. Sie kontrollieren, ob die sogenannten planetaren Grenzen beim Klimawandel - etwa Wasserhaushalt, Artenvielfalt sowie der Zustand der Böden und Meere - eingehalten werden. Insgesamt stehen neun große Erdsystem-Prozesse im Fokus. Zusammen entscheiden sie darüber, ob die Erde ein stabiler Lebensraum bleibt.
Das Ergebnis des Planetary Health Check 2026 ist ernüchternd: Sieben der planetaren Grenzen sind mittlerweile überschritten. Die Diagnose der Wissenschaft ist klar: Die Patientin Erde ist noch nicht kollabiert, aber schwer angeschlagen.
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Die Idee der planetaren Grenzen besagt: Miteinander verknüpfte Prozesse müssen innerhalb eines bestimmten Rahmens bleiben, damit das Erdsystem stabil und widerstandsfähig bleibt. Dazu gehören Klima, Integrität der Biosphäre, Landnutzung, Süßwasserkreislauf, biogeochemische Kreisläufe wie Stickstoff und Phosphor, die durch Düngereinträge der Landwirtschaft verändert werden, Eintrag menschengemachter Substanzen, beispielsweise Plastik und Pestizide, sowie die Ozeanversauerung durch CO2-Emissionen.
Auf diesen sieben Feldern sind die Grenzen bereits überschritten, und die Lage verschlechtert sich weiter. Nur bei der Ozonschicht und der globalen Aerosolbelastung der Atmosphäre gibt es leichte Entspannung. Die Aerosolbelastung liegt in einigen Regionen jedoch weiterhin außerhalb des sicheren Bereichs.
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Boris Sakschewski, Klimaforscher am PIK und Hauptautor der Studie warnt: "Der Druck auf alle planetaren Grenzen, die bereits außerhalb des sicheren Handlungsraums liegen, nimmt weiter zu." Damit steige das Risiko großräumiger, langfristiger und potenziell unumkehrbarer Veränderungen. "Gleichzeitig wird unser Spielraum, diesen Problemen wirksam zu begegnen, immer kleiner", so Sakschewski.
Die Erde zeige heute deutlich mehr "Überlastungssymptome", schreiben die Forschenden: Häufigere und intensivere Hitzewellen, Dürren, Starkregen, zeitweise sogar extreme Kälteeinbrüche. Rekordtemperaturen in Ozeanen und an Land, schwere Dürren in Europa, Waldbrände in Kanada und Europa, Hitzeextreme in Asien.
All das seien Zeichen eines Systems, das aus dem Gleichgewicht gerät, so die an dem Bericht beteiligte Klimaforscherin Levke Caesar. Es sei "wie bei jemandem, der ein angeschlagenes Immunsystem hat, dann häufiger krank wird und immer mal wieder einen Infekt hat."
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