Psychologin Stefanie Stahl erklärt - Warum Zuversicht kein Zufall ist
Die schlechten Nachrichten kommen inzwischen schneller, als wir sie verarbeiten können. Ein Blick auf das Handy reicht und die nächste Krise wartet bereits. „Es ist ein ganz wichtiger Punkt, dass wir jedes Unglück dieser Welt praktisch in Echtzeit aufs Handy bekommen“, sagt Psychologin Stefanie Stahl. Das Gehirn befindet sich in einer Dauerbeschallung und kann die Masse an schlechten Nachrichten nicht verarbeiten. Aber es gibt Wege, wie wir unsere Psyche entlasten können und zuversichtlich bleiben. BILD sprach dafür mit mehreren Menschen, die Hoffnung machen.
„Die Welt befindet sich im Krisenmodus“, schreibt die Bestsellerautorin in ihrem neuen Buch. Dass das so ist, ist keine Neuheit. Es gab auch früher schon Kriege, Hungersnöte oder Armut. „Was heute allerdings anders ist, ist diese gefühlte Gleichzeitigkeit der Krisen“, sagt Stahl. Die Folge: Viele Menschen fühlen sich überfordert und ohnmächtig. Denn die meisten Krisen , die wir täglich sehen, können wir nicht beeinflussen. Dadurch entsteht schnell das Gefühl, die Welt gerate aus den Fugen, obwohl die eigene Lebensrealität oft deutlich sicherer ist. „Das subjektive Gefühl von Bedrohung kann häufig viel größer sein als die konkrete Gefahr, in der man sich gerade persönlich befindet“, so Stahl.
Um seine eigene Psyche zu entlasten, hilft es, Probleme zu finden, die man selbst lösen kann. Bereiche, in denen man selbst handlungsfähig ist. „Denn Hoffnung entsteht oft dort, wo Menschen vom Zuschauen ins Handeln kommen“, sagt die Psychologin. Ob man dem älteren Nachbarn beim wöchentlichen Einkauf hilft, im Park um die Ecke Müll sammeln geht oder sich bei ehrenamtlichen Projekten engagiert. Anderen Menschen zu helfen, hilft einem selbst.
Margit W. (69) und Johanna K. (46) engagieren sich beide ehrenamtlich und arbeiten für die Telefonseelsorge. „Ich kann keine politischen Entscheidungen beeinflussen, wer in Amerika Präsident ist oder wo Krieg herrscht. Aber die Arbeit ist etwas, was ich selbst in die Hand nehmen kann, und das ist extrem befriedigend“, sagt Johanna K. Das Gefühl, wenn sie den Hörer nach ihrer Schicht auflegt, beschreibt die ausgebildete Business-Coachin als Glücksgefühl.
Auch Margit W. freut sich auf jede ihrer Schichten. „Gespräche retten Leben“, sagt die ehemalige Oberstudienrätin. Oft sind es einsame Menschen, die jemanden zum Reden brauchen, die sich anonym bei der Seelsorge melden. „Die Arbeit bei der Telefonseelsorge erlebe ich als große persönliche Bereicherung.“
„Wenn ich gewusst hätte, wie erfüllend die Arbeit hier für mich ist, hätte ich meinen Job wahrscheinlich schon vor zehn Jahren aufgegeben“, sagt Acke Schreyer. Der frühere Augenarzt stammt aus Niedersachsen und engagiert sich seit einem Jahr in der Kita der Arche . Er schätzt die Zusammenarbeit mit den Kollegen und den Umgang miteinander. Der 63-Jährige sagt, die Arbeit habe ihm einen Sinn zurückgegeben, den er in seinem früheren Beruf zuletzt vermisst habe: „Und hier sehe ich sofort, wenn sich etwas verändert: Eins-zu-eins-Umwechselkurs.“
Werner Schmidt ist von Anfang an dabei: Seit 30 Jahren ist er Teil der Arche und gibt Menschen Hoffnung.
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