Tasten statt Sehen: „Stochern im Nebel“ - Wie ein Rettungstaucher Leichen sucht
Wie erlebt ein erfahrener Rettungstaucher Einsätze, bei denen es um Minuten und mentale Stärke geht? Einer von ihnen gibt Einblicke in einen fordernden Ehrenamt-Alltag.
Achim Maier erinnert sich noch.
Ein Wintertag vor einigen Jahren, ein Kinderfahrrad liegt am Rand eines Stadtweihers.
Daneben klafft ein Loch im Eis.
Die Einsatzkräfte sind sich sicher: Da ist ein Kind unter dem Eis gefangen. „Ich war als erster Taucher vor Ort, bin ins Wasser rein“, erzählt Maier.
Der Weiher ist flach.
So flach, dass er mit seinen Knien den Schlamm unter sich aufwirbelt. „Ich habe nichts mehr gesehen“, erinnert sich Maier. „Grabennacht“ sei da um ihn herum gewesen. „Da langt man dann doch ein bisschen mehr krampfiger an seine Signalleine hin und hebt sie fest und taucht der nach“, erklärt er.
Der Einsatz damals sei gut ausgegangen, erinnert er sich: „Das Kind ist zwar ins Eis eingebrochen, es konnte aber von selbst aus dem Wasser kommen und ist ohne sein Fahrrad heimgelaufen.“ Aber die psychische Belastung unter Wasser, die sei extrem gewesen für ihn.
Die Leine zur Außenwelt Denn unter dem Eis haben Rettungstaucher oft nur einen Ausweg: das Loch, durch das sie ins Wasser gelangt sind.
Einfach aufzutauchen ist nicht möglich.
Umso wichtiger ist die Signalleine, über die der Taucher mit dem „Signalmann“ an Land verbunden ist.
Durch Zupfen an der Leine verständigen sich beide.
Der Taucher kann sich so besser orientieren, der „Signalmann“ trägt Verantwortung für seine Sicherheit.
Maier ist der dienstälteste Rettungstaucher der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) im Kreis Ludwigsburg.
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