Nach Flut und Trauer - Witwe und ihre Töchter retten Papas Fleischerei
Bitburg – Erst kam die Flut. Dann verlor Familie Schmitz ihren Mann und Vater. Zwei Schicksalsschläge, die einen Betrieb aus der Bahn werfen können. Doch wer heute die Landfleischerei Schmitz besucht, spürt vor allem eines: Hier wird nicht zurückgeblickt, hier wird angepackt.
Sabine Schmitz (54) und ihre Töchter Julia (34) und Lena (31) führen den Familienbetrieb gemeinsam weiter. Mit viel Zusammenhalt, eigenen Rezepten und einem klaren Anspruch: Alles, was in ihrer Theke liegt, wird selbst hergestellt. Salami, Schinken, Wurst und sogar die Grillmarinaden entstehen in Eigenproduktion. „Wir kaufen nirgendwo etwas fertig ein“, sagt Lena zu BILD. Selbst Gewürzmischungen und Marinaden werden selbst gemacht. So könne die Familie genau sagen, was in ihren Produkten steckt.
Dass die Familie heute überhaupt an diesem Punkt steht, ist alles andere als selbstverständlich. Das Jahrhundert-Hochwasser im Juli 2021 zerstörte die damalige Produktionsstätte in Waxweiler. Aufräumen, organisieren, neu anfangen. Die Familie kämpfte sich zurück. Dann starb Papa und Ehemann Guido Schmitz im August 2022 völlig unerwartet.
Ans Aufgeben dachten die drei Frauen trotzdem nicht. „Ein dickfett geschriebenes Nein“, sagt Lena auf die Frage, ob es einen Moment gab, in dem sie alles hinschmeißen wollten. Ihre Haltung sei immer gewesen: „Es geht irgendwie weiter. Das, was wir hier tun, ist unser Leben.“ Und dieses Leben ist echte Familienarbeit. Sabines Schwester arbeitet seit den Anfängen mit, auch deren Tochter gehört zum Team. Selbst die fast 80‑jährige Oma hilft noch regelmäßig im Betrieb.
Papa und Ehemann Guido Schmitz ist im Betrieb bis heute präsent. Vor allem in den Rezepten und im handwerklichen Anspruch, den er seiner Familie hinterlassen hat. Eine Salami braucht bei Familie Schmitz mindestens zwei Wochen, bevor sie in der Theke landet. Viele Rezepturen entwickelte Guido gemeinsam mit Tochter Julia. Die Familie führt sie bis heute weiter und entwickelt immer neue Kreationen.
Bei aller Tradition denkt Familie Schmitz längst an morgen. Mit ihrem „Nachladen“ hat sie einen modernen SB-Laden geschaffen, der fast rund um die Uhr geöffnet ist. Bezahlt wird per EC-Karte oder QR‑Code. Auch dann, wenn die reguläre Filiale längst geschlossen hat. So kommen Kunden bis zu 20 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche an Wurst, Schinken und andere Fleischwaren.
2026 feiert die Landfleischerei ihr 25-jähriges Bestehen. Aus zwei schweren Schicksalsschlägen ist so vor allem eine Geschichte über das Weitermachen geworden. Über drei Frauen, die Tradition bewahren und trotzdem nach vorn denken.
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