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Radfahrer Julian Alaphilippe: Der letzte Tanz des Loulou

Frankfurter Allgemeine Zeitung ·
Radfahrer Julian Alaphilippe: Der letzte Tanz des Loulou

Während seiner besten Jahre hatte es etwas von Karneval im gelben Kostüm, was er auf dem Rad veranstaltete. 14 Tage lang, von überall, wo er auf Frankreichs Straßen aufkreuzte oder besser: auftrumpfte, schallte ihm „Bravo, Loulou“ entgegen – der Soundtrack der Tour de France 2019. Loulou, das Leichtgewicht. Loulou, der Liebling der Grande Nation.

In der Champagne hatte Julian Alaphilippe das Gelbe Trikot erobert und es unerhörterweise fast bis nach Paris getragen, obwohl er eigentlich kein Mann für das Gesamtklassement ist. Kein Taktiker, der auf Sekundenabstände achtet. Sondern ein Nonkonformist, der sich bei den zehrenden Eintagesrennen besonders gut über (Schmerz-)Grenzen hinwegsetzen kann. Ein Freigeist auf dem Velo, einer, der auf Angriff setzt und dessen Vorstöße etwas Unwiderstehliches haben.

Nun hat dieser Julian Alaphilippe Knall auf Fall während der Saison seine Karriere beendet. Eine Laufbahn, die viele Glanzpunkte hatte, wie seine beiden Weltmeistertitel 2020 und 2021, weil er sein Rad selbst in den härtesten Rennfinals nochmals extra zu beschleunigen wusste. Damals, muss man hinzufügen, war das so.

In den vergangenen Jahren kam der Mann aus Saint-Amand-Montrond auf dem Rad nicht mehr recht vom Fleck. Mitunter mutete er wie ein alternder Puncheur von trauriger Gestalt an, weil seinen weniger gewordenen Attacken etwas Verzweifeltes, von sich und der Radsportwelt nicht mehr Überzeugtes anhaftete.

Nun ist im Alter von 34 Jahren plötzlich Schluss, obwohl sein Vertrag bei der Schweizer Equipe Tudor noch bis Ende 2027 galt. „Nach reiflicher Überlegung hatte ich die Ehre, dieses Kapitel meines Lebens auf den Champs-Élysées und am Montmartre in Paris abzuschließen“, schrieb Alaphilippe in seiner Abschiedsmitteilung. Bei der Tour de France 2026 hatte er sich noch zweimal in Ausreißergruppen blicken lassen, ohne jedoch mit dem Rennausgang etwas zu tun zu haben. Zwischen 2018 und 2021 gewann er sechs Etappen und trug 18 Tage lang das Maillot jaune auf seinen schmalen Schultern.

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Nach den drei Rennwochen habe er das Training wieder aufnehmen wollen, was ihm aber nicht recht gelungen sei. Alaphilippe, der elf Jahre lang für die belgische Mannschaft Quickstep und zuletzt anderthalb Jahre für Tudor fuhr, hatte zuletzt häufiger geäußert, dass er seine Probleme habe mit dem modernen Radsport und seinen Gefahren für Leib und Seele. Als junger Vater änderte sich sein Blick auf die Dinge im Peloton. Schwere Stürze im Frühjahr 2024 machten dem Franzosen schwer zu schaffen und raubten ihm ein Stück weit die Leichtigkeit, die er für seinen ureigenen Fahrstil benötigte.

Alaphilippe hatte das Kämpferherz eines Boxers – nur dass er den Konkurrenten nicht mit den Fäusten, sondern mit seinen Beinen wehzutun vermochte. Und zugleich hatte er den zarten Körper eines Jockeys – nur dass er statt eines Pferdes einen Drahtesel durch die Lande steuerte, auf eine Art und Weise, die nicht nur viele französische Radsport-Fans berührte.

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