Buch erstmals auf Deutsch: „Nach Schmerz und Pein“: Briefe von Holocaust-Überlebenden
Mit dem Hitler-Regime endete 1945 auch die Todesmaschinerie zur Vernichtung der Juden Europas.
Wie blickten die Überlebenden auf die Zukunft? Ein Sammelband präsentiert bewegende Zeugnisse.
Der Krieg war schon fast ein Jahr vorbei, als Arthur Feige sich bei einem alten Freund meldete. „Durch ein Wunder lebe ich noch und so kann ich Ihnen nach so viel Jahren wieder eine Nachricht zukommen lassen“, schreibt der jüdische Berliner in einem Brief vom 13.
März 1946. „Ich habe Schlimmes durchgemacht, und ich wäre froh, wenn ich hier herauskönnte.“ Er wolle nach Palästina , berichtet Feige. „Denn ich bin hier sehr unglücklich über alles und kann hier innerlich nicht mehr mit.“ Feiges Schreiben findet sich in der Sammlung „Nach so viel Schmerz und Pein - Erste Briefe nach dem Holocaust“, die der Herder-Verlag in Zusammenarbeit mit der internationalen Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem nun erstmals auf Deutsch veröffentlicht.
Es sind private Nachrichten und doch weit mehr als das.
Zeugnisse vom Wert der Demokratie „Die Briefe berichten vom größten Verbrechen der Menschheitsgeschichte“, sagt Bildungsministerin Karin Prien (CDU), die selbst jüdische Wurzeln hat und das Buch gemeinsam mit dem Freundeskreis Yad Vashem präsentiert. „Mit diesen Briefen verbinde ich die Hoffnung, kommenden Generationen Zeugnisse zu hinterlassen, die das Erlebte fassbar machen, um Mitgefühl, Verständnis und nicht zuletzt den Wert unserer Demokratie zu vermitteln.“ Im Rückblick wirkt das Ende der NS-Schreckensherrschaft in Europa wie ein glücklicher Schlusspunkt.
Für die Überlebenden der Schoah waren Grauen, Erniedrigung und Entbehrungen endlich vorbei, der Weg in eine bessere Zukunft offen.
Doch trugen die Geretteten auch eine erdrückende Last - die Erinnerung an den Sadismus ihrer Peiniger, die Schuldgefühle, dass ausgerechnet sie und nur sie überlebt hatten, die Trauer über ihre ermordeten Familien.
Sie kehrten zurück in eine zertrümmerte Heimat zu Menschen, von denen viele ihr Schicksal nur wenige Jahre zuvor bejubelt oder ignoriert hatten. „Entsetzliche seelische Leere“ Arthur Feige war als Elektrotechniker in den Charlottenburger Motorenwerken beschäftigt, bis er im November 1942 von der Gestapo verhaftet und einem Transport ins Vernichtungslager Auschwitz zugeteilt wurde.
Auf der Fahrt quetschte er sich durch ein Toilettenfenster des rollenden Zuges und entkam.
Fast drei Jahre lebte er illegal im Nazi-Reich, im Sommer in seinem Boot auf dem Storkower See südöstlich von Berlin, im Winter in einer selbst gezimmerten Hütte.
Er verdingte sich inkognito als Landarbeiter, als Kohlenpacker, als Radioreparateur, um irgendwie an Essen zu kommen.
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