Gauck: "Brauchen eine Politik, die näher bei den Menschen ist"
Alt-Bundespräsident Joachim Gauck fordert mehr Bürgernähe. In Zeiten, in denen "Gefühlslagen die Wahlentscheidung prägen", müsse Politik "näher bei den Menschen" sein.
Der Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt am vergangenen Sonntag macht Joachim Gauck Sorgen. Die Politik gerate oft an einen Punkt, da "Sachfragen gar nicht mehr so debattiert werden, sondern Gefühlslagen die Wahlentscheidung prägen". Im ZDF sagt er:
Der Alt-Bundespräsident fürchtet um den Zusammenhalt in der Gesellschaft. Gerade in Zeiten wie diesen müssten Freiheit und Demokratie wieder stärker verteidigt werden.
Das unterstrich Gauck am Freitag in Rostock, wo er als Gastredner an einer Verdi-Konferenz teilnahm, die für Brief- und Paketzusteller organisiert wurde. Er sei immer gerne dort, "wo Menschen aktiv werden, wo sie Verantwortung übernehmen", sagte Joachim Gauck vor Beginn der Veranstaltung im Interview mit dem ZDF.
Mit Blick auf den Zustand der Koalition und die Wahlergebnisse in Sachsen-Anhalt sagte der frühere Bundespräsident, es gebe eine große Zahl von Menschen, "die die Politik der liberalen Mitte nicht erreicht" habe. Das sei ein Problem.
Die Parteien der demokratischen Mitte seien gut beraten, dieses Gefühl, "nicht ausreichend beachtet und gehört" zu werden, ernster zu nehmen. Ansonsten werde mit "irrlichternden Politikangeboten von rechts außen oder auch manchmal von links außen" nur "der Frust gepflegt".
Deswegen, so der frühere DDR-Bürgerrechtler, "brauchen wir natürlich eine Politik, die näher bei den Menschen ist". Im ZDF sagt er:
Mehr zum Thema gibt es heute ab 19:10 Uhr bei Berlin direkt . Gesprächsgäste sind CSU-Chef Markus Söder und der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion im Bundestag, Dirk Wiese. Moderiert wird die Sendung von Diana Zimmermann.
Und die Parteien müssten dafür werben, "dass es Kompromisse gibt, die der einen oder anderen Seite schwerfallen". Es brauche eine Kommunikation von oben an die Basis, um "komplizierte Dinge stärker" verständlich zu machen.
Menschen in politischer Verantwortung müssten das Gefühl vermitteln: "Wir sind nah bei euch - und diese Nähe fehlt eben oft." Keinesfalls dürfe man glauben, so Gauck, dass das Land keine Zukunft habe. Die Gesellschaftsordnung sei immer eine "Ordnung der Möglichkeiten". Dazu brauche man aber auch "Menschen, die an die Möglichkeiten glauben".
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